"Die Tafel von Elbing"

"Die Tafel von Elbing"

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 12.03.00, S. 215.

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Leihgeber: Archäologisches Institut Elbing (Polen); Museum Elbing (Polen)

© Kärntner Landesausstellungen (Agencja Foto-Studio Kołecki, Gdańsk)

Für genauere Informationen zu den einzelnen Objekten (Holzteller, Daubenschalen, Kerzenleuchter, Gesichterkrug, Waschschüssel, Glasflöten, Stangenglas, Glasbecher, Spanische Schüssel, Schuhbecher und Zinnschale) siehe Kat. Nrn.: 12.03.01-12.03.11.

Ein eindrucksvolles Beispiel eines "typischen" mittelalterlichen Tisches liefern uns die Funde aus der nordpolnischen Stadt Elbing. Bei archäologischen Grabungen wurden und werden die unterschiedlichsten Gefäße zutage gefördert, welche uns heute ein schönes Bild vom Reichtum der Hansestadtbewohner geben.
So fanden sich hier außer den weit verbreiteten hölzernen Daubenschalen und den gedrehten großen und kleinen Tellern auch blattförmig geschnitzte Schalen. Mehrfarbige Keramikschüsseln aus Malaga gehörten dagegen zu den besonderen Raritäten. Sie wurden ebenso importiert wie die glasierten Wein- und Wasserkrüge. Die Einfuhr von Krügen (besonders aus Siegburg) wuchs kontinuierlich im 14./15. Jahrhundert. Schöne cremefarbene Exemplare wurden extra in den Rechnungsbüchern als Steinkruser vermerkt. Auch Krüge mit Abbildungen von Gesichtern, später "Bartmannskrüge" genannt, waren beliebt und neben der schlichten heimischen Tonware anzutreffen. Zu den Scherzformen zählen Trinkgefäße in Schuhform. Dazu kam noch ein ganzes Sortiment von glatten Kelchen und Bechern aus Glas aus lokalen oder entfernten Hütten. Besonders teuer und attraktiv waren Nuppengläser in Flötenform mit teilweise kühnen Höhen.
Mit großer Sicherheit kann gesagt werden, dass die Qualität des gedeckten Tisches Einfluss I auf die Esssitten hatte und damit richtungweisend für die Entwicklung einer vornehmen "Tischkultur" war. Die Atmosphäre des feinen Mahles wurde durch den Besitz von teuren Prestigeobjekten noch unterstrichen und sicherte so die soziale Position des Hausherrn und "seines Tisches".


Grazyna Nawrolska