Moriskentänzer

Moriskentänzer

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 12.02.07, S. 213.

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Leihgeber: Wolfgang Zimmermann (Klagenfurt, Kärnten)
Moriskentänzer

© Kärntner Landesausstellungen (Ulrich Peter Schwarz)


Nachahmung einer Figur des Erasmus Grasser von 1480
Höhe 90 cm (inklusive Sockel); Holz, gefasst

"Item einhundert Pfund vier Schilling zahlt Meister Erasm snitzer von 16 Pilden Maruschka Tantz geschnitten für 172 Gulden Rheinisch zu Schilling auf das Tantzhaus" – so lautet der Eintrag in der Stadtkammerrechnung von 1480.
Die 16 Figuren mit jeweils ca. 80 cm Höhe zierten also den Alten Rathaussaal, das "Tanzhaus", und wurden bald zu den großen Wahrzeichen der bayrischen Hauptstadt. Nur zehn haben sich bis heute erhalten, vor allem fehlt die weibliche Tanzfigur. Sie nämlich stand beim Moriskentanz in der Mitte, umworben von närrischen Gesellen. Der beste und witzigste unter ihnen erhielt den Preis – ein Ringlein oder einen Apfel oder am Ende die Jungfer selbst? Die beim Stadtvolk sehr beliebten Moriskentänze sind zwar häufig urkundlich erwähnt und auch einige Bildquellen haben sich erhalten, doch kennen wir nicht den genauen Ablauf des ausgelassenen Tanzes. Der Name Mohrentanz (spanisch morisca, italienisch moresca) hängt wohl mit den spanischen Mauren zusammen. Der Tanz kam mit den Kreuzzügen nach Europa und nahm hier eigenständige Formen an. Ursprünglich sollte wohl der Kampf zwischen Christen und Muslimen dargestellt werden.
Nachdem nun die Originale von Erasmus Grasser aufgrund ihrer Einzigartigkeit ihren mittlerweile angestammten Platz im Münchner Stadtmuseum nicht mehr verlassen, wird in der Ausstellung eine moderne Nachahmung der "Figur mit Hochmütze" präsentiert.


Barbara Maier


Literatur: Johannes GOLDNER, Wilfried BAHNMÜLLER, Erasmus Grasser (= Kleine Pannonia-Reihe 222, Freilassing 1994).
Johanna MÜLLER-MEININGEN, Die Moriskentänzer und andere Arbeiten des Erasmus Grasser für das Alte Rathaus in München (Regensburg 51998).