Carmina burana

Carmina burana

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 12.02.05, S. 210.

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Leihgeber: Bayerische Staatsbibliothek (München, Deutschland), Hbh/DI 4669/17, 1
Carmina burana

© Bayerische Staatsbibliothek, München


Vermutlich Kärnten (Friesach?), um 1230
Faksimile: Höhe 25,3 cm, Breite 18,3 cm, Tiefe 5 cm; Original: Clm 4660, Pergamenthandschrift, Bayerische Staatsbibliothek München, aufgeschlagen Blatt 91r

Die 1803 im Kloster Benediktbeuren aufgefundene Handschrift erlangte als einzigartige Sammlung von "internationaler" Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts Weltruhm, verstärkt durch die Vertonungen von Carl Orff.
Doch nicht nur Trink- und Spiellieder enthält die 112 Blätter umfassende Pergamenthandschrift, auch didaktisch-moralische Satiren so wie Liebes- und Frühlingslieder (teils in deutscher und französischer Sprache) sind hier vereinigt. Angeschlossen sind noch ein Weihnachts- und ein Passionsspiel. Die vorwiegend lateinischen Texte stammen aus Frankreich, England, Schottland, der Schweiz, Spanien, Deutschland und Italien.
Ausgestattet ist das Werk mit Fleuronné-Initialen und acht Miniaturen: Rad der Fortuna, Landschaftsbild, Liebespaar, Dido und Aeneas, Trinkende Figuren, Würfelspiele, Brettspiel und Schachspiel.
Über den Entstehungsort gibt es seit der Auffindung mehrere Thesen. Die bairische Lautsprache mit einzelnen alemannischen Formen in den deutschen Texten und kunsthistorische Vergleiche verweisen jedenfalls in den südalpinen Raum (Steiermark, Kärnten, Südtirol). Elisabeth Klemm vermutet in ihrer jüngst erschienenen Untersuchung Friesach als Schreibstätte der CB. Die Nebenresidenz der Salzburger Erzbischöfe und geistlicher wie geistiger Mittelpunkt des Landes in dieser Zeit sowie Stilverwandtschaften mit hiesigen Wandmalereien unterstützen diese These.


Barbara Maier


Literatur: Bernhard BISCHOFF, Carmina burana. Bd. 1: Einführung zur Faksimile-Ausgabe der Benediktbeurer Liederhandschrift (München 1970).
Elisabeth KLEMM, Die illuminierten Handschriften des 13. Jahrhunderts deutscher Herkunft in der Bayerischen Staatsbibliothek (Wiesbaden 1998), S. 121-124.