Ablassbrief

Ablassbrief

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 11.03, S. 197.

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Leihgeber: Archiv der Diözese Gurk (Klagenfurt, Kärnten), PA Völkermarkt Urk. P 120
Ablassbrief

© Archiv der Diözese Gurk (U. P. Schwarz)


Rom, 29. März 1485
Höhe 48 cm, Breite 76,5 cm, Siegel Höhe 12 cm; von den ursprünglich 18 angehängten spitzovalen roten Wachssiegeln der Kardinäle in Blechkapseln sind sieben erhalten (teils stark beschädigt); Kanzleivermerke auf der Plica.

Gemäß der hoch- und spätmittelalterlichen kirchlichen Lehre war es Gläubigen durch die Gewinnung eines Ablasses möglich, zeitliche Sündenstrafen zu vermindern und damit die zu erwartende Bußzeit im Fegefeuer zu verkürzen.
Zur Gewinnung eines Ablasses wurden u. a. Teilnahme an Heiligen Messen, kirchlichen Andachtsübungen, Almosen und Beiträge zum Bau bzw. zur Restaurierung von Kirchen und Altären vorgeschrieben. Die Gültigkeit eines Ablasses blieb immer an die Gesinnung der Reue, meist auch an den Empfang des Bußsakraments gebunden. Häufig trat aber der finanzielle Aspekt stark in den Vordergrund.
Der vorliegende Ablass wurde auf Bitten des Völkermarkter Ratsbürgers Mert Perger (auch Zechmeister der Pfarrkirche St. Maria Magdalena und Stifter eines Kaplansbenefiziums im neuen St. Martins-Spital) gewährt. Das zeigt das Interesse der Kommune und ihrer Vertreter am Ablasswesen. Durch die Gewährung des Ablasses sollte einerseits die öffentliche, gemeinschaftliche religiöse Praxis der städtischen Bevölkerung gefördert werden, andererseits gewann man Mittel für die bessere Ausstattung der Kirchen. Im speziellen Fall hatte die Ablassverleihung auch eine sozial-caritative Komponente: Der privilegierte Altar war ein Bruderschaftsaltar, und die Ablassverleihung bot die Möglichkeit, die Mitgliederzahl der Bruderschaft zu erhöhen; damit konnten wiederum die Gemeinschaftsaktivitäten verstärkt werden.
Um eine möglichst breite Wirkung zu erreichen, ließ man ein besonders prunkvolles Exemplar einer Ablassurkunde anfertigen, das unmittelbar neben dem privilegierten Altar in der Kirche aufgehängt wurde, um den Zustrom der Gläubigen anzuregen. Die Befestigungsspuren sind noch heute am restaurierten Exemplar deutlich zu sehen.
Regest: Kardinalbischof Rodericus von Porto (Roderigo Borgia, der spätere Papst Alexander VI.) und 17 weitere Kardinäle verleihen auf Bitten von Mert Perger, Hutmacher und Bürger von Völkermarkt, allen Gläubigen, die an genannten Festtagen den Barbara-Altar in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Völkermarkt besuchen und zu seiner würdigen Ausstattung beitragen, einen hunderttägigen Ablass.


Christine Tropper


Literatur: Ludwig HÖDL, Ablass. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1 (Stuttgart/Weimar 1999), Sp. 43–46.