© Rheinisches Bildarchiv, Köln
Deutschland, Ende 15. Jahrhundert
Höhe 4,7 cm, Durchmesser 3 cm; Goldschmiedearbeit, vergoldetes Silber
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Kostbar gearbeitete Duftkugel mit abergläubischer Schutz- und Heilfunktion gegen Krankheiten, speziell die Pest.
Die aufklappbare Silberkugel wird mit exotischen Kräutern und Duftstoffen wie Moschus, Zimt, Muskat oder Rosmarin gefüllt und ab dem 12./13. Jahrhundert als Schmuckanhänger auf Hals- und Gürtelketten, bisweilen auf Rosenkränzen (Paternosterkugel) getragen. Durch seine Duftfunktion gilt der Bisamapfel als Mittel der Prophylaxe und Therapie gegen Ansteckung und Krankheiten. Derartige Kugeln (auch Pestkugeln genannt) finden sich auf zahlreichen mittelalterlichen Gemälden, sind aber nur in wenigen Exemplaren erhalten. Das Kölner Beispiel ist ein von durchbrochenem spätgotischen Maßwerk verzierter und wie eine Frucht in vier Segmenten zu öffnender Hohlkörper aus vergoldetem Silber. Die Wurzeln solcher Riech- oder Duftkugeln sind im Orient zu suchen: Kreuzfahrer haben sie ins Abendland gebracht. Innerhalb der städtischen Gemeinschaft dienen sie wie anderer hochwertiger Schmuck als Statussymbol. Gleichzeitig sind sie durch die von fern importierten Inhaltsstoffe Zeichen für Bildung und Weitläufigkeit des Besitzers. Aus dem tief verwurzelten Aber- und Wunderglauben stammt jedoch die den Kugeln zugeschriebene Heil- und Schutzfunktion gegen Krankheiten.
Gerhard Dietrich
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