Blide

Blide

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 10.08, S. 178.

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Leihgeber: Oberhausmuseum Passau (Deutschland), MS 1
Blide

© Oberhausmuseum Passau (Dionys Asenkerschbaumer)


Rekonstruktion im Maßstab 1: 10
Länge 50 cm, Höhe 30 cm; Holz, Metall; nach Plänen Heinrich Blumenthals 1998 von Alfred Berger erstellt

Die wirkungsvollste Fernwaffe des hohen und späten Mittelalters ist die Blide, die sich seit dem frühen 11. Jahrhundert in Europa nachweisen lässt.
Die Gegengewichtsblide setzte sich an der Wende zum 14. Jahrhundert gegenüber der Ziehkraftblide durch. Sie ist technikgeschichtlich besonders bemerkenswert, da hier die Kraft von Gewichten erstmals mechanisch genutzt wurde. Große Bliden konnten Steinbrocken mit mehr als einer Tonne Gewicht bis etwa 100 Meter weit werfen. Kleinere Modelle mit 15 Meter Wurfarmlänge und einem Gegengewicht von 20 Tonnen schleuderten 150 Kilogramm schwere Steine bis zu 300 Meter weit. Mit Bliden wurden jedoch nicht nur Steine auf belagerte Städte oder Burgen geschossen, sondern auch Brandsätze, die sich als besonders wirkungsvoll erwiesen, oder Menschen- und Tierkadaver, um Seuchen zu verbreiten, sowie Fässer mit Fäkalien, um die Belagerten zu demoralisieren. Der Nachteil der Blide lag darin, dass sie ihre Geschosse im Bogen schleuderte, was ihre Zerstörungskraft minderte. Nur mit Kanonen ließen sich starke Burgmauern wirkungsvoll beschießen.
Aber selbst nachdem die Artillerie ihren Siegeszug angetreten hatte, griff man bis weit in das 16. Jahrhundert hinein bei kriegerischen Auseinandersetzungen auf Bliden zurück, deren Gestehungskosten wesentlich niedriger waren als die der frühen Geschütze.


Richard Loibl


Literatur: Ritterburg und Fürstenschloß. Ausstellung von Stadt und Diözese Passau im Oberhausmuseum Passau 1998, Bd. 1: Geschichte. Hrsg. von Herbert W. Wurster, Richard Loibl (Passau/Regensburg 1998), S. 112.
Volker SCHMIDTCHEN, Kriegswesen im späten Mittelalter. Technik, Taktik, Theorie (Weinheim 1990), S. 161-165.
Volker SCHMIDTCHEN, Bombarden, Befestigungen, Büchsenmeister. Von den ersten Mauerbrechern des Spätmittelalters zur Belagerungsartillerie der Renaissance. Eine Studie zur Entwicklung der Militärtechnik (Düsseldorf 1977).