Setztartsche

Setztartsche

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 09.06, S. 167.

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Leihgeber: Historisches Museum der Stadt Wien, 126.100
Setztartsche

© Historisches Museum der Stadt Wien


Wien (?), um 1480/1490
Höhe 121,5, Breite 52,5 cm; Holz, Kreidegrund über Leinwand, Temperamalerei, Silber, Lüster


Schildfigur: heiliger Georg

Tartschen oder Pavesen – große hochrechteckige Setzschilde aus Holz mit abgerundeten Schultern und einem durchgehenden vorgewölbten Mittelgrat, der die Handgriffe birgt – tauchen erstmals im 13. Jahrhundert auf und breiten sich als Infanterieschild über Italien aus.
In Wien wurden die Setztartschen insbesondere durch die Hussiten bekannt, die 1428 das nördliche Niederösterreich verheerten und bis vor die Mauern Wiens kamen. Sie verteidigten mit den Kriegswagen und den mauerartig aufgestellten Setzschilden ihre Stellung gegen die Adelskavallerie, die sie mit ihren Armbrüsten unter Beschuss nahmen. Hatten sie die Reiterei in Unordnung gebracht, gingen sie zum Angriff über. Die Pavesen waren noch so leicht, dass sie von einem einzelnen Mann getragen werden konnten.
Diese Ausrüstung und die Taktik der Hussiten haben das gesamte 15. Jahrhundert hindurch die Kampfweise und Bewaffnung der südostdeutschen Städte bestimmt. Die Pavesenträger kämpften in einer Einheit mit den Bogen- und Armbrustschützen; sie mussten auch beim Vormarsch mit diesen zusammenbleiben, um jederzeit Deckung geben zu können, da die Schützen beide Arme zur Waffenführung benötigten. Die Träger selbst waren nur mit Spießen ausgerüstet.
Dass die ausgestellten Pavesen tatsächlich als Waffen gebraucht wurden, zeigen die Kampfspuren auf einigen Exemplaren sowie die Tatsache, dass die Setzschilde wegen Holzfäule unten abgeschnitten worden sind. Die bemalten Tartschen wurden offensichtlich waffenfähigen Männern, die sich um das Wiener Bürgerrecht bewarben, abverlangt. 1444 befanden sich immerhin 250 solcher Tartschen in städtischem Besitz. Das Historische Museum der Stadt Wien birgt noch heute eine einzigartige Sammlung von 68 Setztartschen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
Im 14. und 15. Jahrhundert wurden durch die Bedeutungszunahme der Infanterie – bis dahin hatte die Reiterei als kampfentscheidend gegolten – verstärkt Waffen für die Fußtruppen entwickelt. Bei den Setztartschen wurde auch besonderes Augenmerk auf die Ausgestaltung bzw. Bemalung gelegt. Ihre Vorderseite wurde mit Leinwand, Pergament oder Leder überzogen, die Grundierung erfolgte manchmal sogar mit Blattsilber oder Blattgold. Der gerüstete Georg mit dem Drachen als Schutzheiliger der Krieger ist das Hauptmotiv der malerischen Ausgestaltung, gefolgt von der heiligen Katharina oder heraldischen Motiven. Aufgrund ihrer handwerklichen und vor allem ihrer künstlerischen Qualität kommt den Setztartschen ein ästhetischer Wert ähnlich den mittelalterlichen Tafelbildern zu.


Sylvia Mattl-Wurm


Literatur: Leopold SCHMIDT, Zur Geschichte, Funktion und Ikonographie der Wiener Tartschen des 15. Jahrhunderts. In: Das Wiener Bürgerliche Zeughaus. Rüstungen und Waffen aus fünf Jahrhunderten. Ausstellung im Schloß Schallaburg bei Melk vom 14. Mai bis 30. Oktober 1977 (= Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 49, Wien 1977).
Wehrhafte Stadt. Das Wiener Bürger/iche Zeughaus im 15. und 16. Jahrhundert. Ausstellung um Historischen Museum der Stadt Wien vom 15. bis 21. Mai 1986 (= Sonderausstellung des Historisches Museum der Stadt Wien 101, Wien 1986), Nr. 1/33.
Elisabeht MAYR, Christine STEINKELLNER, Zur Restaurierung der Setztartschen. In: Das Wiener Bürgerliche Zeughaus. Rüstungen und Waffen aus fünf Jahrhunderten. Ausstellung im Schloß Schallaburg bei Melk vom 14. Mai bis 30. Oktober 1977 (= Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien 49, Wien 1977).