Emailtafeln

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In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 08.10, S. 148.

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Leihgeber: Erzbischöfliches Dom- u. Diözesanmuseum (Wien), L-3
Emailtafeln

© Erzbischöfliches Dom- u. Diözesanmuseum, Wien


Maasgebiet, um 1160/1170
Höhe 7,5 cm, Basis 12 cm (dreieckige Tafeln);
Höhe 13 cm, Breite 9,5 cm (fünfeckige Tafeln); Email

Die kostbaren Tafeln sind wie der Verduner Altar von Klosterneuburg in verfeinerter Grubenschmelztechnik (teils auch in Zellenschmelztechnik) gearbeitet.
Bei der Grubenschmelztechnik (Champ levé) werden die Linien der bildlichen Darstellungen in eine Kupferplatte vertieft gearbeitet. In diese Gruben wird Glasflussmasse gefüllt, die in den nachfolgenden Schmelzbränden je nach Metallzusatz und Brenntemperatur verschiedene Farben ergibt. Durch die Hitze wölben sich die Platten.
Zu einem kleinen Teil wurde hier auch die Technik der Zellenschmelze angewandt, wobei zarte Metallstege auf die vertiefte Platte gelötet werden. Eine solch feine Qualität aus der Zeit vor dem Verduner Altar hat sich nur noch bei Exponaten im Pariser Louvre (Armreifen), in Basel (Kreuzigung) und in Boston (Drei Jünglinge im Feuerofen) erhalten.
Die Darstellungen auf zwei dreieckigen Tafeln zeigen Windallegorien (Aquilo/Nordwind und Auster/Südwind), die wohl zu einem vierteiligen Zyklus gehörten. Die vier anderen, fünfeckigen Tafeln schildern Szenen aus dem Alten Testament, die mit Tugenden kombiniert sind: Opferung Isaaks, Kundschafter mit der Traube, Jakobssegen, T-Schreiber. Ursprünglich waren ihnen sicher neutestamentliche Szenen gegenübergestellt und auf einem noch zu rekonstruierenden sakralen Gerät angebracht.


Barbara Maier


Literatur: Katalog des Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Wien (Wien 1987), S. 14-22.