Friesacher Handwerksordnung

Friesacher Handwerksordnung

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 08.01, S. 141.

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Leihgeber: Kärntner Landesarchiv (Klagenfurt, Kärnten), Stadtarchiv Friesach, Urkunde Nr. 1
Friesacher Handwerksordnung

© Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt (Alfons Poschinger)


Friesach, 20 August 1220 oder 11 September 1235
Höhe 30 cm, Breite 42 cm; Papier, zwei Blätter; Vidimus des Notars Christoph Magerl aus dem frühen 16. Jahrhundert

Handwerksbruderschaften waren nicht nur eine wirtschaftliche Interessenvertretung, sondern auch eine religiöse Vereinigung. Die Schuster- und Ledererbruderschaft zu Friesach ist die älteste urkundlich nachweisbare Handwerkerzunft in Kärnten.
Erzbischof Eberhard II. bestätigt mit der vorliegenden Urkunde das Statut der Bruderschaft. Die Ordnung enthält Bestimmungen über die Aufnahme neuer Meister, die Bruderschaftsgebühren und die Todesfallunterstützungen beim Ableben von Mitgliedern. Aus religiösen Gründen sind ihr im 15. Jahrhundert nicht nur Berufsgenossen, sondern auch zahlreiche andere Handwerker und teilweise sogar Adelige beigetreten. Im Gegensatz zu anderen Zünften in Friesach waren die Schuster und Lederer sehr vermögend; sie vergaben Darlehen und erwarben umfangreichen Liegenschaftsbesitz. Der religiöse Mittelpunkt der Stiftung war der Heiligenkreuz-Altar in der Propsteikirche St. Barthlmä (Ablassbrief von 1515).
Die Datierung dieser Urkunde, die nur in einer deutschen Übersetzung, und zwar in Form einer notariell beglaubigten Abschrift des frühen 16. Jahrhunderts überliefert ist, hat die Forschung immer wieder beschäftigt. Die in der Urkundenabschrift angegebene Datierung (3. September 1211) ist fehlerhaft und beruht auf Abschreib- bzw. Übersetzungsfehlern. Unter Heranziehung der Zeugenreihe und des Itinerars von Erzbischof Eberhard II. sowie Berücksichtigung der möglichen Fehler des Kopisten bzw. des Übersetzers kamen August Jaksch und Karl Dinklage zu unterschiedlichen Datierungen. Alfred Ogris hält beide Datumsangaben für plausibel.


Wilhelm Wadl


Literatur: Monumenta historica ducatus Carinthiae IV/1, Nr. 2110 (Edition).
August JAKSCH, Die älteste Urkunde des Stadtarchivs in Friesach. In: Carinthia I 84 (1894), S. 166–170.
Karl DINKLAGE, Die älteste Zunftordnung aus Kärnten. In: Carinthia I 147 (1957), S. 283–286.
Alfred OGRIS, Die Bürgerschaft in den mittelalterlichen Städten Kärnten bis zum Jahre 1335 (= Das Kärntner Landesarchiv 4, Klagenfurt 1974), S. 163.
Wilhelm WADL, Friesachs historische Entwicklung. In: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach. Bearb. von Barbara Kienzl. Red. von Ulrike Steiner (= Österreichische Kunsttopographie 51, Wien 1991), S. 46.