Münzvertrag

Münzvertrag

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 07.07, S. 130.

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Leihgeber: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Wien), Allgemeine Urkundenreihe, 1268 VII 14
Münzvertrag

© Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien (Fotostudio Udo Otto)


St. Radegund, 14. Juli 1268
Höhe 15 cm, Breite 21 cm; Pergament, ein Siegel

Der älteste mittelalterliche Münzvertrag Kärntens sollte der beginnenden Zersplitterung des Münzwesens durch die Schaffung eines einheitlichen Münzbezirks unter Nachbarn entgegenwirken.
Die den Vertrag schließenden Münzherren – Herzog Ulrich III. von Spanheim (Aussteller und Siegler dieser Urkunde) und Erzbischof Wladislaw von Salzburg – kommen überein, dass für den Fall, dass in den Münzstätten des einen die Münzen des anderen verfälscht oder verschlechtert werden, Richter und Rat der betreffenden Städte 100 Mark Pfennige Strafe an den geschädigten Vertragspartner zu zahlen haben. Weiters verfügen der Herzog und der Erzbischof, dass jeder, der das in ganz Kärnten geltende Verbot fremder Münzen oder die vereinheitlichten Vorschriften über die Friesacher Ellen, Maße, Gewichte und Waagen übertritt, mit zehn Mark Pfennigen, zahlbar jeweils zur Hälfte an die beiden Münzherren, zu bestrafen ist.
Daneben sollte freilich auch der ausschließlich den berechtigten Münzherren zustehende finanzielle Nutzen des Münzens geschützt werden. In Betracht kommen dabei vor allem die Erhebung des Schlagschatzes (Differenz zwischen Nenn- und Metallwert der geprägten Münzen) und der Wechselgewinn – eine Abgabe, die beim (Zwangs-)Eintausch fremder oder verrufener, d. h. von den Münzherren aus dem Verkehr gezogener und durch neue ersetzter Münzen einbehalten wurde. Entgegen allen Maßnahmen und trotz der empfindlichen Strafen, die auf das Münzfälschen standen, sank der Wert des Friesachers kontinuierlich, sein Silber-Feingewicht nahm immer mehr ab.
1286 gab es noch einen weiteren Münzvertrag zwischen Salzburg und dem Herzogtum Kärnten, ein letztes Mal wurde schließlich 1334 eine Vereinbarung über die Ausmünzung der Pfennige in Kärnten getroffen. Um 1340 endete in Kärnten sowohl die erzbischöfliche als auch die herzogliche Münzprägung.


Gerhard Gonsa


Literatur: Monumenta historica ducatus Carinthiae 4/2, Nr. 2978 (Edition).
Elmar WADLE, Münzwesen (rechtlich). In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, HRG 3 (Berlin 1984), S. 770–790.
Arnold Luschin von EBENGREUTH, Allgemeine Münzkunde und Geldgeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit (= Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte 4, München–Berlin 1904).
Günther PROBSZT, Österreichische Münz- und Geldgeschichte. Von den Anfängen bis 1918, Teil 1 und 2 (Wien/Köln/Weimar 1994).