St. Veiter Wiesenmarkt

St. Veiter Wiesenmarkt

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 06.10, S. 110.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin (Deutschland), Urkundensammlung des Historischen Seminars der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, 37
St. Veiter Wiesenmarkt

© Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin, Zweigbibliothek Geschichte


Haimburg, 25. Juni 1362
Höhe 19, Breite 41,7 cm; Pergament, Hängesiegel in Naturwachs mit Rücksiegel

Die Verleihung eines Jahrmarkts durch den Landesfürsten war ein aus wirtschaftlichen Gründen heiß begehrtes Privileg für alle Städte.
Im Jahr 1362 verlieh Herzog Rudolf IV. der Stadt St. Veit an der Glan einen Jahrmarkt, aus dem der bis heute für das Wirtschaftsleben der Stadt und des ganzen Bezirks bedeutsame Wiesenmarkt hervorging.
Während die meisten anderen ins Mittelalter zurückreichenden Jahrmärkte von Kärntner Städten heute zu kleinen Krämermärkten verkümmert sind, blieben der St. Veiter Wiesenmarkt und sein rund drei Jahrzehnte jüngeres Bleiburger Pendent bis in die Gegenwart überörtlich bedeutsam. Heute steht bei diesen das Volksfest im Vordergrund. Bis vor wenigen Jahrzehnten überwog allerdings noch die Funktion als Krämer- und Viehmarkt, auf welchem die Landbevölkerung sich mit Konsumgütern eindeckte und tausende Pferde und Rinder ihren Besitzer wechselten.
Der Termin des St. Veiter Wiesenmarkts, der sich in jüngerer Zeit am Michaelitag (29. September) orientiert, erscheint in der Verleihungsurkunde Herzog Rudolfs IV. noch an das Kirchweihfest des Klarissenklosters gebunden. Der Jahrmarkt diente damit nach der Intention seines Stifters gleichermaßen der wirtschaftlichen Förderung der Stadt wie jener des Klosters, welches allerdings schon im späten 16. Jahrhundert zugrunde ging. Aus dieser Bindung an das Kloster erklärt sich auch die Situierung des Jahrmarktes auf einer Wiese unter dem in der Villacher Vorstadt gelegenen Kloster. Dies ist allerdings nichts Ungewöhnliches, denn im Gegensatz zum Wochenmarkt, der auf einem zentralen Platz in der Stadt abgehalten wurde, gingen Jahrmärkte oft außerhalb der ummauerten Stadt über die Bühne.
Dieses wichtige Jahrmarktsprivileg war in Kärnten bisher nur in einer kopialen Überlieferung in dem durch Abt Johann von Viktring vidimierten Privilegienbuch der Stadt St. Veit aus dem Jahre 1493 bekannt. Mit dieser beglaubigten Pergamenthandschrift wollte die Stadt ihre wichtigsten Privilegien (Stadtrecht, Jahrmarktsprivilegien, Niederlagsrechte) zusätzlich absichern. Die Originalurkunde Herzog Rudolfs IV. dürfte schon im 19. Jahrhundert als Studienobjekt in die Urkundensammlung des Historischen Seminars der Universität Berlin gelangt sein und ist nun erstmals wieder in Kärnten zu sehen.


Wilhelm Wadl


Literatur: Johanna ABERLE, Ina PRESCHER, Die Urkundensammlung des Historischen Seminars der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (= Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin 60), Berlin 1997, S. 78 f.
Karl DINKLAGE, Geschichte des St. Veiter Wiesenmarktes (Klagenfurt 1962).