Tuchsiegel

Tuchsiegel

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 06.07, S. 106.

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Leihgeber: Rheinisches Landesmuseum Trier (Deutschland)
Tuchsiegel

© Rheinisches Landesmuseum Trier (Thomas Zühmer)


Spätmittelalterlich und frühneuzeitlich; aus Trierer Stadtgrabungen

Plomben mit Stadtwappen oder, seltener, Zunftsiegel identifizieren die Herkunft der Textilien und dienen zugleich als Qualitätsnachweis der jeweiligen Tuchsorten.
Tuchsiegel gehören zur großen Gruppe der Waren- und Beschauzeichen und finden vermehrt seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der normativen schriftlichen Überlieferung Europas Erwähnung. Solche meist aus Blei gefertigten Siegel wurden in den Tuchproduktionsorten nach der Beschau durch ein Kontrollorgan – bestehend aus Zunftvertretern und/oder städtischen bzw. landesherrlichen Funktionsträgern – an den Textilien angebracht.
Gezeigt werden Plomben aus England, Flandern, den Niederlanden, den rheinischen Tuchgebieten sowie aus den süddeutschen Leinen- und Barchentzentren:
1. Trier: 16. Jahrhundert, Durchmesser 2,6 cm; Vorderseite: Stadtwappen (Petrus mit Buch und Schlüssel); Rückseite: Inschrift [G]EWANT [V]ON T[R]IER
2. Trier: 14./15. Jahrhundert, Durchmesser 2,3 cm; Vorderseite: Stadtwappen (Petrus mit Buch und Schlüssel), Umschrift in gotischer Majuskel TREV [...]; Rückseite: zwei voneinander abgekehrte Schlüssel
3. Trier: 14./15. Jahrhundert, Durchmesser 2,7 cm; Vorderseite: Stadtwappen (Petrus mit Buch und Schlüssel); Rückseite: zwei voneinander abgekehrte Schlüssel
4. Ulm: 15./16. Jahrhundert, Fragment, Durchmesser 2,5 cm; Vorderseite: Stadtwappen (Reliquienschrein) mit Umschrift in gotischer Majuskel [U]LM; Rückseite: Inschrift in gotischer Minuskel "brief"
5. Colchester: nach 1571, dem Gründungsprivileg für niederländische Tuchproduktion in Colchester, Fragment, Durchmesser 2,4 cm; Vorderseite: Krone über Jahreszahl 1571; Rückseite glatt
6. Köln: 15./16. Jahrhundert, Fragment, Durchmesser 2,5 cm; Vorderseite: zweizeilig angeordnetes Kölner Dreikronenwappen; Rückseite: Reste des Stadtnamens in gotischer Minuskel [c]ol [...]
7. Leiden: 16. Jahrhundert, Durchmesser 2,2 cm; Vorderseite: Löwenpaar, darüber Stadtwappen (gekreuzte Schlüssel); Rückseite: Darstellung des Goldenen Vlieses
8. England: 2. Hälfte 16. Jahrhundert oder jünger, Durchmesser 3,8 cm; Vorderseite: Rundwappen, gehalten von Löwe und Einhorn, mit Umschrift HONI SOIT QUI – MAL Y P[ENSE]; Rückseite: gekrönte Rose
9. Augsburg: 16./17. Jahrhundert, Durchmesser 2,1 cm; Vorderseite: A, von vier Kreisen umgeben; Rückseite: Stadtwappen (Pinienzapfen, sogenannter " Phyr")
10. Nürnberg: 16./17. Jahrhundert, Durchmesser 1,7 cm; Vorderseite: Stadtwappen, darüber N; Rückseite: n in gotischer Minuskel
11. Arras: 15. Jahrhundert, Fragment, Durchmesser 2,4 cm; Vorderseite: Rattenschwanz, darüber Lilie, unten E in gotischer Majuskel; Rückseite glatt
12. LilIe: 15. Jahrhundert, Fragment, Durchmesser 1,7 cm; Vorderseite: Leopard über Lilie, darunter Inschrift in gotischer Minuskel: lil[le]; Rückseite glatt


Lukas Clemens


Literatur: Lukas CLEMENS, Michael MATHEUS, Tuchsiegel- eine Innovation im Bereich der exportorientierten Qualitätsgarantie. In: Europäische Technik im Mittelalter 800 bis 1200. Tradition und Innovation. Hrsg. von Uta Lindgren (Berlin ²1996), S. 479.