Grabstein des Mordechai

Grabstein des Mordechai

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 05.19, S. 96.

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Leihgeber: Museum der Stadt Friesach (Kärnten)
Grabstein des Mordechai

© Kärntner Landesausstellungen (Ulrich Peter Schwarz)


Ehemaliger Friesacher Judenfriedhof, ca. 1361
Höhe 11,5 cm, Breite 67 cm; Sandstein
Übersetzung der Inschrift durch Martha Keil, St. Pölten.

(Hier) wurde bestattet ein Mann, / der würdig und gläubig war / zu jeder Zeit und jeder / Frist: Mordechai, / Sohn des geehrten Abrech, / am Haupt des Monats [= Neumondstag] / Tebeth des Jahres / fünftausend / und 121 nach der Zeitrechnung. / Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
Während Mordechai (begraben am 1.Tebeth 5121 = 11. Dezember 1360), für den dieser Grabstein errichtet wurde, aus anderen Quellen nicht bekannt ist, wird sein Vater Abrech, einer der bedeutendsten jüdischen Bankiers Friesachs, öfters erwähnt. Seine Charakterisierung als "geehrt" könnte auch übersetzt werden mit "Mäzen" oder "Wohltäter", was einen konkreten Hintergrund darin findet, dass Abrech nach dem großen Erdbeben, das 1348 auch Villach zerstört hatte, auf eigene Kosten die dortige Synagoge wieder hatte errichten lassen und zudem Bischof Leopold von Bamberg, dem Stadtherrn Villachs, 200 Gulden für die Erlaubnis zu diesem Bau bezahlte.


Markus J. Wenninger


Literatur: J. BABAD, Jüdische Grabsteine in Kärnten S. 55.
Wilhelm WADL, Geschichte der Juden in Kärnten im Mittelalter (= Das Kärntner Landesarchiv 9, Klagenfurt 1981), S. 223.