Goldhaube

Goldhaube

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 05.07, S. 85.

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Leihgeber: Museum der Stadt Villach (Kärnten), J 45
Goldhaube

© Museum und Archiv der Stadt Villach (Ktn.)


13. Jahrhundert, Fundort Villach-Judendorf
Höhe ca. 12 cm, Breite ca. 15 cm, Randhöhe 2-2,5 cm; Textil, Metallfäden

Die zarten geometrischen Ornamente (kufische Muster) weisen auf die Herstellung der Bänder in Spanien oder im Orient hin.
Die kleine, barettartige Frauenhaube ist aus drei gemusterten Goldbändern von je fünf Zentimeter Breite zusammengesetzt. Reste eines stehenden Rands und eines Gebendes sind vorhanden. Die Bänder sind aus Seide gewebt, die mit vergoldetem Silber umsponnen wurde. Günstige Erhaltungsbedingungen haben trotz seiner Einbettung in Sandboden das Überdauern des relativ vergänglichen Materials bewirkt.
Als 1968 während der Schottergewinnung am Villacher "Judenbichl" im Zuge einer Notgrabung mehr als 100 Bestattungen dokumentiert wurden, kamen auch Funde des 8.-10. Jahrhunderts zum Vorschein. In anderen, offenbar jüngeren, wegen ihrer Beigabenarmut jedoch schwer datierbaren Gräbern konnten Reste von golddurchwirkten und Seidenstoffen festgestellt werden. Diese Gewebe aus Frauengräbern gehörten zu kleinen Hauben aus Goldstoff, zu Haarnetzen und Schleiern. In einigen Fällen sind die Goldhauben überdies mit vergoldeten Medaillons verziert gewesen. Ein früher Friesacher Pfennig (nach 1125) und einige Schlüssel als Beigaben bieten neben den textilkundlichen Befunden Anhaltspunkte für die Datierung. Diese Reihengräber dürften aus dem 12./13. Jahrhundert stammen.
Es ist jedoch ungewiss, ob diese Bestattungen jüdische Gräber waren, weil Beisetzungen in aufwendiger Kleidung kaum zum jüdischen Bestattungsritus passen. Allerdings sind auch christliche Bestattungen aus dem fortgeschrittenen Hochmittelalter hier schwer zu erklären, da in Judendorf nie eine Kirche samt Begräbnisrecht bestand, wie dies für das 12. Jahrhundert notwendig wäre. Bei aller Schwierigkeit der ethnisch-religiösen Zuordnung ist so viel gewiss, dass derart aufwendige Bekleidung wohl in einen städtischen Kontext und nicht zu einer bäuerlichen Bevölkerung gehört, wie sie mindestens seit dem 14. Jahrhundert in Villach-Judendorf wohnte.


Dieter Neumann


Literatur: Heimo DOLENZ, Die Gräberfelder von Judendorf bei Villach. In: Neues aus Alt-Villach 6 (1969), S. 7-92.
Ingeborg PETRASCHEK-HEIM, Die Goldhauben und Textilien der hochmittelalterlichen Gräber von Villach-Judendorf. In: Neues aus Alt-Villach 7 (1971), S. 57-190.
Wilhelm NEUMANN, Die Juden in Villach. In: Carinthia I 155 (1965), S. 327-366.
Wilhelm WADL, Geschichte der Juden in Kärnten im Mittelalter (= Das Kärntner Landesarchiv 9), Klagenfurt 1981.