"Hemma-Schuh"

"Hemma-Schuh"

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 05.06, S. 84.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Domkapitel der Diözese Gurk (Klagenfurt, Kärnten)

© Kärntner Landesausstellungen (Ulrich Peter Schwarz)


Italien (?), 15. Jahrhundert
Länge 10,5 cm, Höhe 10,5 cm, Breite 9 cm; Holz, Leder


Standort: Dom zu Gurk

Weltweit eines der seltenen und sehr gut erhaltenen Beispiele einer eleganten Trippe aus lederbezogenem Holz.
Diese Art Unterschuhe – feine Trippen, die in Italien unter der Bezeichnung cioppine angefertigt worden sind – dienten als Schutz für die eigentlichen Schuhe aus Stoff oder feinem, oft buntem Leder. Die hohen und heute modern wirkenden Absätze verhinderten, dass der inliegende Schuh mit seiner langen Spitze ("Schnabel") mit dem Straßenschmutz in Berührung kam. Beim Betreten eines Innenraums wurde der Überschuh abgelegt, wie zahlreiche zeitgenössische Abbildungen beweisen.
Unser sehr fein gearbeitetes, mit weißem, verziertem Leder überzogenes Stück ist auch deshalb eine Besonderheit, weil es bis heute als Reliquie verehrt wird. Im Jahre 1946 vermachte Maria Barbara Baronin Berg den bis dahin über Jahrhunderte auf Schloss Nassenfuß/Mokronog in Slowenien verwahrten Schuh dem Stift Gurk mit der Erläuterung, es handle sich dabei um die Fußbekleidung der heiligen Hemma, die ein Kloster in Nassenfuß besessen haben soll.
Tatsächlich kann es sich schon aufgrund der Schuhmode nicht um eine "Originalreliquie" aus dem 11. Jahrhundert handeln. Schnabelschuhe und Trippen wurden erst um 1400 gebräuchlich und kamen mit der Renaissance wieder völlig aus der Mode. Die Trippe dürfte wohl eine Votivgabe einer reichen Dame an die auch in Slowenien sehr verehrte Hemma gewesen sein, möglicherweise zierte sie aber einst eine Statue der Heiligen. Schuhe als Votivgaben zu spenden war im slawischen Raum ein häufig geübter Brauch.


Barbara Maier


Literatur: Ingeborg PETRASCHEK-HEIM, Der Hemmaschuh aus kostümkundlicher Sicht. In: Hemma von Gurk. Katalog der Ausstellung auf Schloß Straßburg in Kärntnen vom 14. Mai bis 26. Oktober 1988. Red. von Peter G. Tropper (Klagenfurt 1988), S. 162f.