Ältestes Siegel von Trier

Ältestes Siegel von Trier

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 04.07, S. 68.

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Leihgeber: Landeshauptarchiv Koblenz (Deutschland), Best. 209, Nr. 13 u. Best. A 4, Nr. 627
Ältestes Siegel von Trier

© Landeshauptarchiv Koblenz (Deutschland)


Trier, Abdrucke an Urkunden von 1227 und 1326
Durchmesser 12,7 cm; Wachs

Das Trier Siegel zählt zu den ältesten europäischen Stadtsiegeln.
Der Metallstempel, mit dem das ungewöhnlich große Wachssiegel hergestellt wurde, ist verloren gegangen. Dieser Siegelstempel entstand wahrscheinlich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Der älteste erhaltene Siegelabdruck datiert von 1221.
Das Trierer Siegelbild zeigt hinter einer dreiteiligen, gezinnten Stadtmauer, deren Mittelteil die Aufschrift SANCTA TREVERIS, "heiliges Trier", trägt, Christus auf der Weltkugel stehend, die Rechte zum Segen erhoben, in der Linken einen Schlüssel. Er wird von zwei Heiligen flankiert, die als S(anctus) PETRVS und S(anctus) EVCHARIVS bezeichnet sind. Beide greifen nach dem Schlüssel. Ebenso strecken vier hinter der Stadtmauer erkennbare Personen ihre Hände dem Schlüssel entgegen. Beidseits des mit einem Kreuznimbus versehenen Hauptes Christi befinden sich die griechischen Buchstaben Alpha und Omega.
Die lateinische Umschrift lautet: TREVERICAM PLEBEM DOMINVS BENEDICAT ET VRBEM, "der Herr segne Volk und Stadt von Trier" .
Das Siegel wurde in Auftrag gegeben, noch bevor sich eine autonome Stadtgemeinde gebildet hatte. Ursprünglich verfügte also keine bürgerliche Genossenschaft, sondern vermutlich die Führungsschicht der Dienstleute des erzbischöflichen Stadtherrn über das Siegel. Diese Gruppe war maßgeblich an der Stadtwerdung beteiligt. Mit der Etablierung des Schöffenkollegs als stadtgemeindliches Organ entwickelte sich das Siegel zum Rechtssymbol der bürgerlichen Stadtgemeinde. Das Siegelbild mit Bistumspatron und dem ersten Bischof Eucharius verweist auf Trier als Kathedralstadt. Es veranschaulicht den apostolischen Ursprung der Trierer Kirche und deren besondere Nähe zur römischen Mutterkirche, indem Petrus den Schlüssel des Heils an Eucharius weiterreicht. Deutet man das Motiv vor dem kirchenpolitischen Hintergrund der Rivalität der rheinischen Erzbischöfe um die Vorrangstellung im Reich während des 12. Jahrhunderts, so lässt sich die Schlüsselverleihung als Ausdruck des trierischen Primatanspruchs begreifen.


Anja Ostrowitzki


Literatur: Toni DIEDERICH, Rheinische Städtesiegel (= Rheinischer Verein für Denkmal pflege und Landschaftsschutz, Jahrbuch 1984/85, Neuss 1984), S. 333-338.
Manfred GROTEN, Studien zur Frühgeschichte deutscher Stadtsiegel. Trier, Köln, Mainz, Aachen, Soest. In: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 31 (1985), S. 443-478.
B. RÖDER, Romnachfolge und Streit der drei rheinischen Erzbischöfe um den Primat. Zur Ikonographie und zur Entstehung des ersten Großen Siegels der Stadt Trier. In: JWLG 25 (1999), S. 69-108.