Maria lactans

Maria lactans

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 03.16, S. 53.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Pfarramt Friesach; Standort: Museum der Stadt Friesach (Kärnten)
Maria lactans

© Kärntner Landesausstellungen (Ulrich Peter Schwarz)


Veronesisch, um 1230, aus der Peterskirche in Friesach
Höhe 54 cm;
Mamor, 1963/1964 restauriert, moderne Fassung abgenommen, hölzerner Kopf ergänzt

Ein im oberitalienischen Raum verehrtes, nicht mehr erhaltenes Gnadenbild aus dem 12. Jahrhundert dürfte als Vorbild für diese besonders interessante Darstellung der stillenden Madonna gedient haben.
Mit der Friesacher Figur gleichzeitig entstandene und eng verwandte Werke aus dem veronesischen Raum befinden sich heute im Erzbischöflichen Palais in Verona, in der Sammlung Stoclet in Brüssel, in den Staatlichen Museen in Berlin und im Dom von Aquileia. Die künstlerische Ausführung der Friesacher Madonna – die Otto Demus für das bedeutendste Stück der Gruppe hält – ist frei und lebendig. Die in dieser Zeit beginnende Auseinandersetzung von Skulptur und Raum zeigt sich deutlich in der kontrastierenden Darstellung von plastischem Körper und präzisem Gewandschnitt. Ikonographisch betrachtet geht der Typus Maria lactans auf die byzantinische thronende Hodegetria zurück. Der Thron hat sich leider nicht erhalten und ist bis auf eine Sitzplatte reduziert. Ebenso fast verschwunden ist die ursprüngliche Polychromie – wie spärliche Farbspuren beweisen, war der Mantel einst rot und grün bemalt.


Barbara Maier


Literatur: Hemma von Gurk. Katalog der Ausstellung auf Schloß Straßburg in Kärntnen vom 14. Mai bis 26. Oktober 1988. Red. von Peter G. Tropper (Klagenfrut 1988), S. 324ff. (Ernst Bacher).