Madonna im Strahlenkranz

Madonna im Strahlenkranz

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 03.14, S. 51.

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Leihgeber: Sascha Mehringer (München, Deutschland)
Madonna im Strahlenkranz

© Sascha Mehringer, München


Villach, um 1515
Höhe 34 cm; Lindenholz, originale Fassung, Vergoldung stellenweise abgerieben

Das in seinen Ausmaßen überzierliche Werk gehört zu den besten und intimsten Stücken eines repräsentativen Kärntner Schnitzers um 1510. So wurde dieses spätgotische Kleinod 1933 im Katalog zur Ausstellung des Hagenbunds in Wien beschrieben, wo die kleine Madonna erstmals öffentlich zu sehen war. Danach galt sie lange als verschollen. Otto Demus hat sie eindeutig dem Meister der Schreinfiguren des Heiligengestader Flügelaltars zugeschrieben. Dieser befindet sich heute in der Friesacher Deutschordenskirche und stammt – wie auch der Flügelalter in der ehemaligen Stiftskirche von Ossiach – aus einer Villacher Werkstatt. Gleichsam en miniature wiederholt die Figur die Heiligengestader Maria, hier jedoch mit stärkerem Kontrapost und um das Motiv des Schwebens sowie um einen Engel zu ihren Füßen bereichert.
Die Darstellung der auch "Mondsichel"- oder "Apokalyptische Madonna" genannten Muttergottes geht auf das "apokalyptische Weib" in der Offenbarung des Johannes zurück: eine Himmelserscheinung mit dem Mond zu Füßen, bekleidet mit der Sonne und von zwölf Sternen bekränzt. Die apokalyptische Erscheinung – sie hat einen Sohn geboren, der von Engeln in den Himmel geführt wurde – identifiziert man seit dem Mittelalter mit Maria.
Die kleine Strahlenkranzmadonna gehört zu den wenigen noch erhaltenen Arbeiten aus mittelalterlichen Kärntner Werkstätten. Ursprünglich war sie wohl auf einem Leuchter montiert, worauf die vollplastische Gestaltung (Sonnengesicht auf der Rück- und Wolken auf der Unterseite) deutet.


Barbara Maier


Literatur: Mittelalterliche Religiöse Plastik aus Österreich, Ausst.-Kat. Hagenbund (Wien 1933), S. 9, Tafel XIII.
Otto DEMUS, Die spätgotischen Altäre Kärntens. Auf Grund von Vorarbeiten von Gertraud Müller-Guttenbrunn-Schimke und Elisabeth Herzig-Oberhaidacher bearb. von O. Demus (= Aus Forschung und Kunst 25, Klagenfurt 1991), S. 252ff., Abb. 285.
Gertraud MÜLLER-GUTTENBRUNN, Die Kärntner Schnitzplastik am Anfang des 16. Jahrhunderts (Diss. Wien 1943), S. 56.