Kärntner Santiago Pilger

Kärntner Santiago Pilger

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 03.06, S. 44.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Kärntner Landesarchiv (Klagenfurt, Kärnten), Allgemeine Urkundenreihe, 1464 III 22
Kärntner Santiago Pilger

© Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt (Alfons Poschinger)


Klagenfurt, 22. März 1464
Höhe 31 cm, Breite 34 cm (inklusive Siegel); Pergament, zwei Hängesiegel aus Naturwachs

"Jakobswege" führten auch kreuz und quer durch die Täler Kärntens, davon zeugen die vielen Kirchen, die dem Heiligen Jakobus geweiht sind: Tiffen, Villach, St. Jakob in Gallizien, St. Jakob im Rosental, St. Jakob im Lesachtal etc.
Auch der Klagenfurter Bürger Kunzhermann Nadler hat sich auf eine Pilgerreise nach Santiago begeben. Da er nun schon jahrelang vermisst wird, vollzieht seine Frau (und voraussichtliche Witwe) eine von ihrem Mann vor der Abreise eingerichtete Jahrtagsstiftung zugunsten des Klosters Viktring und bittet die beiden Adeligen Andreas von Hallegg und Jakob Albecker um die Besiegelung der Urkunde.
Das Dokument ist auch stadtgeschichtlich interessant, wird darin doch z. B. wiederholt auf das freie Eigen dieser Bürgerfamilie verwiesen und der Klagenfurter Stadtrichter als Schiedsinstanz vorgesehen. Falls dieser dem Kloster den Rechtsweg verweigert, ist der Fall vom Kärntner Vizedom, der die landesfürstlichen Städte beaufsichtigte, abzuhandeln.
Transkription:
Ich Katherina, des Chünczherman Nadler, Burger zu Chlagenfurt, eeliche hausfra, bekenn für mich und all mein erben und thun kund allen, den der gegenwürtig brief fürkümbt, das mein benanter eeleicher man von andacht und schikung des allmechtigen gotes sich mit kirchfart gen dem heiligen hymelfürsten sand Jacob in Galicien gefügt und mir an seinem abschaiden vergunnet und bevolhen hat, ob er underwegen mit dem tod abgieng und nit herwider kheme und ich die hernachgeschriben unserer baider stukch nicht lenger versparen möcht, das ich die alsdann dem lobleichen Gotshaus zu Vitring und nymant andrem verkauffet, damit unser baider gedechtnuß ewikleich bey dem bemelten Gotshaus belib. Also hab ich nach dew und er nu etlich jar ausbeliben ist und ich kam hoffnung hab seiner widerkünft nach solhem seinem verlassen mit wolbedachten mut, gunst und ratt und guten willen, recht, redleich und unversprochenleich verkauft und hingeben, hingib und verkauf auch wissentlich in kraft des briefs dem erwirdigen herrn Gerharten Abbt des berürten Gotshaus zu Vitring, seinem Convent daselbs und allen irn nachkomen unsers aigen guts ain wisen, gelegen enhalb der Lankwart, die da stöst mit ainem art an des bemelten Abbt und seines Convents zu Vitring wisen, die sy von dem Peham kauft haben und mit ainem an die gemain und aber mit ainem an den Schreltz. Item ain mader wismad, auch unsers aigen guts, das gelegen ist zwischen des Snelko kinder wisen und des Jertzen, als sy mit pymerkchen umfangen sind, nichts ausgenomen, umb ain sum gelts, der ich von in an all mein müe und scheden zu rechter zeit schon beczalt und gewert pin. Ich hab in auch die benanten wissen mit aller irer zugehörung lediklich aufgeben und ingeantburt aus mein aigen nücz und gewer in ir aigen nücz und gwer mit allen den eren, nuczen und rechten und mit allen dem, so von alter und auch yez darzu gehört, als mein obbemelter man und ich, auch unser vordern, die inngehabt und in nücz und gewer herbracht haben. Und ich obgenante Katherina gelob in für mich und all mein erben, die vorbenanten wisen und mader wismad mit allen irn zugehörungen getreuleich vor mäniklich zu freyn und zu schermen fur rechts freys aigen und mit dem rechten ze vertreten vor aller klag und ansprach nach dem Statrechten zu Chlagenfurt, als oft in des not beschicht. Tätt aber ich des nicht, was schaden sy des nehmen, wie der schaden genant würde, nichts ausgenomen, den ir ainer oder ir scheinpot gesagen mag pey seinen treuen an aid unberechtend und an all ander bewerung, nur ir ains slechten worten darumb ze glauben, denselben schaden zusampt dem haubtgut sullen und wellen wir in ablegen und gänczlich widerkern an alles widersprechen. Und das sullen sy haben zu uns und auf aller unser hab, die wir yetz haben oder noch gewinnen, es sey erb oder farund hab, wie die genant ist, nichts vorbehalten. Und davon sol und mag sew richten und genügig machen haubtguts und schadens ain yder Statrichter zu Chlagenfurt. Und wer der saumig daran, so sol es tun ein Vicztumb in Kernden, wann sy in darumb anrueffent, wo sy auf unser erb oder hab weisent oder zaigent an alle klag und berechten. Das ist alles unser fleissig bete und guter willen. Und des zu einer waren urkund gib ich in disen brief, besigelten mit der edlen vesten Andre Hallegker und Jacoben Albegker anhangenden insigeln, die sy durch meiner fleissigen bete willen an den brief gehangen haben, in und allen irn erben an schaden, darunder ich obgenante Katherina mich mit mein treuen verpinde für mich und all mein erben, alles das war und stett ze halten, das an disem brief geschriben stet, dergeben ist nach Christi gepurde tausent virhundert und darnach in dem vir und sechczigisten jar, des phincztags vor annunciacionem Marie.


Wilhelm Wadl


Literatur: Monumenta historica ducatus Carinthiae XI, Nr. 379 (Regest).