Jakobusaltar

Jakobusaltar

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 03.02, S. 40.

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Leihgeber: Landesmuseum für Kärnten (Klagenfurt), K 72, K 88
Jakobusaltar

© Landesmuseum für Kärnten, Klagenfurt (U.P. Schwarz)


Jakobusaltar: St. Veiter Schnitzwerkstätte, um 1510, aus der Pfarrkirche des heiligen Jakobus der Ältere in Tiffen bei Feldkirchen. Höhe 147 cm, Breite 205 cm (Schrein mit geöffneten Flügeln); Lindenholz, polychrome Fassung; 1998-2001 restauriert von Waltraud Darnhofer, Klagenfurt
Predella: Caspar von Friesach, datiert 1518; aus der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Gmünd. Höhe 60 cm, Breite 149 cm; Lindenholz, polychrome Fassung

Wegen der seltenen Ikonographie seiner Festtagsseite zählt der Jakobusaltar zu den Hauptwerken der österreichischen Schnitzkunst der Gotik. Sein speziell auf den Pilgerschutz abgestelltes Ausstattungsprogramm zeigt im Schrein die wichtigsten Schutzheiligen für Reisende: den Kirchenpatron Jakobus Major, flankiert von den in Kärnten am meisten verehrten Nothelfern Christophorus und Florian. Das Rankenwerk der Schleierbretter besteht zum Teil aus Mohnkapseln und Zichorienblüten, typischen Symbolen des Weges und der Wanderschaft. An den bemalten Außenseiten der Flügel ist das Leben Christi in jeweils drei übereinander angebrachten Bildern dargestellt. Der Jakobusaltar ist das einzige heimische Retabel, das auf seinen vier Flügelreliefs eine Kärntner Sage illustriert, nämlich die aus dem spanischen Jakobswunder von San Domingo abgeleitete Legende von den Tauben zu Tiffen: Erst als die gebratenen Vögel durch das Fenster flogen, erkannte der Richter die Unschuld des Pilgers und gab ihn frei. Die beschwerliche Reise der Compostela-Pilger wird in den Reliefs durch Stadtansichten und hohe Landschaftshorizonte in der Art der Schedel'schen Weltchronik versinnbildlicht. Realienkundlich außergewöhnlich sind die Wiedergabe der Schlafszene mit drei Pilgern (Vater, Mutter und Sohn) in nur einem Bett und die Bekleidung des verurteilten Sohnes am Galgen mit dem Armesünderhemd.
Das Motiv des wundersam geretteten Gehängten fand ab dem 12. Jahrhundert durch Pilgerbücher, seit 1460 auch im Holzschnitt und im 16. Jahrhundert sogar durch Flugschriften weite Verbreitung. Der bedeutende Flügelaltar aus Tiffen ist leider nur unvollständig und in beschädigtem Zustand erhalten; das Gesprenge und die originale Predella fehlen überhaupt. Die heute mit dem Altar vereinigte, etwas jüngere Predella aus dem Jahr 1518 gehörte ursprünglich zu einem Altar in der Pfarrkirche von Gmünd.
Die Predella zeigt eine Art Sippenbild, das detailgetreu die feierliche Andachtshaltung, das Standesbewusstsein und die Kleidung einer gehobenen bürgerlichen Familie im ausgehenden Mittelalter schildert.
Da auf der Predella keine Wappen oder Namen vorhanden sind, lassen sich die abgebildeten weltlichen Personen nicht identifizieren. Neben den knienden Stiftern in Gebetshaltung stehen die Namenspatrone des Ehepaars: links der Heilige Vitus, eine Öllampe haltend, rechts die Heilige Ursula mit einem Pfeil als Attribut. Die Rückseite der Predella zeigt eine verzweigte Blumenranke auf weißem Grund, darunter die Jahreszahl 1518. Die Predella stammt ohne Zweifel von der Hand Caspars von Friesach der auch das Hausaltärchen Leonhard Kölderers aus Mauterndorf bei Tamsweg (wohl um 1515) in der Salzburger Residenzgalerie fasste. Der österreichische Maler und Bildschnitzer wurde offensichtlich um 1500/10 bei Meister Heinrich in Villach ausgebildet und gilt als Begründer einer eigenen Friesacher Altarwerkstätte, die im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts in Kärnten, Salzburg und in der Obersteiermark tätig war.


Robert Wlattnig


Literatur: Otto DEMUS, Die spätgotischen Altäre Kärntens. Auf Grund von Vorarbeiten von Gertraud Müller-Guttenbrunn-Schimke und Elisabeth Herzig-Oberhaidacher bearb. von O. Demus (= Aus Forschung und Kunst 25, Klagenfurt 1991), S. 78ff.
Janez HÖFLER, Die Tafelmalerei der Dürerzeit in Kärnten (1500-1530) (= Aus Forschung und Kunst 32, Klagenfurt 1998), Nr. 18 und 47.
Robert WLATTNIG, Caspar von Friesach. In: Saur Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 17 (München-Leipzig 1997), S. 117.