Apostelabschied

Apostelabschied

In: Schauplatz Mittelalter Friesach. Kärntner Landesausstellung 2001. Bd. II: Katalog (Die Stadt im Mittelalter. Eine kulturhistorische Ausstellung im Fürstenhof zu Friesach 2001). Herausgegeben vom Land Kärnten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Günther Hödl. Redigiert von Barbara Maier. – Klagenfurt: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung Kultur 2001. 311. 8°. Objekt-Nr.: 01.04, S. 19.

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Leihgeber: Pokrajinski muzej Ptuj (Slowenien), G 13 s
Apostelabschied

© Pokrajinski muzej Ptuj (Boris Farič)


Oberösterreichischer Maler (Meister S. H.?), 2. Hälfte 15. Jahrhundert
Höhe 134 cm, Breite 103 cm (mit Originalrahmen); Tempera auf Holz

Die zwölf Apostel nehmen in Jerusalem Abschied voneinander und ziehen aus in ihre Bestimmungsländer, dargestellt als Landschaft mit Städten im Hintergrund.
Die ausziehenden Apostel wandern auf einem kurvenreichen Weg, der sie durch eine bewaldete und reich bewässerte Landschaft führt. In der Mittelachse ist ein steiler Felsen mit einer Burganlage dargestellt. Dahinter, im sicheren Schutz dieser mittelalterlichen Burg (aus Bergfried, Eingangsportal und Palas bestehend), breiten sich zwei Städte aus. Beide sind von Mauern umgeben; die rechte Stadt mit den prächtigeren Häusern und höheren Kirchtürmen ist zusätzlich mit runden und mehreckigen Türmen befestigt. Hohe, zinnenbekrönte Türme schützen auch die Brücke, über die Andreas schreitet. Die Apostel sind an ihren Attributen erkennbar: Acht sind paarweise in inniger Haltung, die anderen aber bei erschiedenen Handlungen dargestellt. So schöpft Johannes mit einer Feldflasche Wasser, Jakobus legt einen Verband an seinen Knöchel, Petrus trinkt, und Andreas geht über die Brücke in die Stadt. Das Thema ist den apokryphen Schriften entnommen und hat seinen Höhepunkt in der bildenden Kunst zwischen 1450 und 1550 in Süddeutschland und Österreich. Die aus Teileinheiten komponierte Landschaft mit hoch angesetztem Horizont zeigt niederländische Einflüsse - eine bedeutende Vermittlungsrolle hat Geertgen tot Sint Jans gespielt. Als Vergleichsbeispiele der Landschaftsdarstellung wären eine um 1490 entstandene Apostelaussendung im Joanneum in Graz, die dem tirolisch-salzburgischen Künstlerkreis bzw. Marx Reichlich zugeschrieben wird, sowie ein um 1470 datiertes Jüngstes Gericht im Stift St. Florian zu nennen.
Das Tafelbild, dessen ursprünglicher Standort nicht bekannt ist, wurde wohl von demselben Meister gemalt wie eine Tafel mit dem Thema des Marientodes im Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz. Dieser Meister S. H. hat wahrscheinlich einige Zeit im Stift St. Florian gearbeitet, wo sich auch ein mit Initialen signiertes und datiertes Bild (1485) von ihm befindet.


Polona Vidmar


Literatur: Karin LEITNER, Franz Ferk und zwei von ihm gestiftete gotische Tafelgemälde im Pokrajinski muzej in Ptuj. In: Ptujski zbornik VI (1996), S. 839-850.
Stari tuji slikarji XV.-XIX. stoletja, hg. v. Anica Cevc, Narodna galerija (Ljubljana 1964), Nr. 88.
Gotika v sloveniji. Svet predmetov. Narodni muzej, ed. by Maja Lozar Štamcar (Ljubljana 1995), S. 333f.