Triumphzug des heiligen Benedikt

Triumphzug des heiligen Benedikt

In: Prinz Eugen und das barocke Österreich. Katalog der Ausstellung der Republik Österreich und des Landes Niederösterreich in den Marchfeldschlössern Schloßhof und Niederweiden vom 22. April bis 26. Oktober 1986. Redigiert von Karl Gutkas. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 170. – Wien: Kuratorium zur Veranstaltung der Ausstellung 1986. XXXI, 479. 8° Objekt-Nr.: 18.14, S. 380.

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Leihgeber: Benediktinerstift Melk (Niederösterreich)
Triumphzug des heiligen Benedikt

© Fasching, St. Pölten


Öl auf Leinwand, 45 x 74 cm.
Paul Troger, 1739.

Der vorliegende Bozzetto diente wohl als Vertragsgrundlage für Trogers 1739 gemaltes Deckenkenfresko des Prälatursaales. Dieser 1717/18 erbaute, auch als "Salettl" bezeichnete Saal war beim Brand des Stiftes bis auf den Stuckmarmor an den Wänden fast völlig zerstört worden. Nachdem er wieder gewölbt und die Marmorierung ausgebessert worden war, malte der für das Stift bereits in den Jahren 1731 und 1732 tätige Troger (Deckenfresken des Marmorsaales und der kleinen Bibliothek) gemeinsam mit dem Quadraturisten Fanti das als Verherrlichung des Benediktinerordens konzipierte Deckenfresko. Es zeigt den
Triumphzug des heiligen Benedikt in die ganze Welt im Angesicht der Heiligen Dreifaltigkeit. Der Triumphwagen wird begleitet von den Personifikationen der vier Erdteile. Hinter dem Wagen fliegt Chronos, als Symbol für den irdischen Ruhm, ihm voran Fama, den Ruhm des Ordens verkündend. Dessen Wachstum symbolisiert der mit Mitren und Tiaras behangene Baum links. Rechts im Vordergrund sitzt Papst Gregor der Große, dessen legendäre Biographie des heiligen Benedikt erhalten blieb. Vorbildlich für Troger war eine weit verbreitete Komposition des Garstener Stiftsmalers Johann Carl von Reslfeldt († 1735), die erstmals 1701 in einem von Leonhard Heckenauer gestochenen großformatigen Thesenblatt wiedergegeben ist.
Im Niederösterreichischen Landesmuseum befindet sich eine zweite Ölskizze zu dem Fresko, die jedoch nicht jene Freiheit des Pinselduktus aufweist wie die Melker, und sich auch durch den gedrungenen Figurenkanon von dieser unterscheidet. Man hat in ihr wohl eine Zweitfassung des Melker Bozzettos, möglicherweise aber auch eine Replik von Schülerhand zu sehen.


Thomas Karl


Literatur: Wanda ASCHENBRENNER, Gregor SCHWEIGHOFER, Paul Troger. Leben und Werk (Salzburg 1965), S. 80.
Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II., Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesfürst. Niederösterreichische Landesausstellung im Stift Melk vom 29. März bis 2. November 1980. Hrsg. Amt der Niederösterreichischen Landesregierung (= Katalog des Niederösterreichsichen Landesmuseums NF 95, Wien 1980), S. 84, Nr. 775.
Kirche in Oberösterreich. 200 Jahre Bistum Linz. Katalog der Oberösterreichischen Landesausstellung vom 26. April bis 27. Oktober 1985 im ehemaligen Benediktinerstift Garsten. Red. von Helga Litschel (Linz 1985), Nr. 9.35.