Der Teufelsbündler Johann Christoph Haitzmann

Der Teufelsbündler Johann Christoph Haitzmann

In: Prinz Eugen und das barocke Österreich. Katalog der Ausstellung der Republik Österreich und des Landes Niederösterreich in den Marchfeldschlössern Schloßhof und Niederweiden vom 22. April bis 26. Oktober 1986. Redigiert von Karl Gutkas. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 170. – Wien: Kuratorium zur Veranstaltung der Ausstellung 1986. XXXI, 479. 8° Objekt-Nr.: 17.3, S. 348.

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Leihgeber: Stadtmuseum St. Pölten (Niederösterreich)
Der Teufelsbündler Johann Christoph Haitzmann

© Stadtmuseum St. Pölten (N.Ö.)


Faksimile von Ölskizzen Haitzmanns im Trophaeum Mariano-Cellense der Österreichischen Nationalbibliothek, Ms Codex 14086, vor 1700.

Johann Christoph Haitzmann wurde 1651 in Traunstein geboren. Er war ein Malergeselle, der 1677 nach einem Anfall in der Kirche von Pottenbrunn dem Schloßverwalter bei einem gerichtlichen Verhör bekannte, er habe seine Seele dem Teufel verschrieben, das erste Mal 1668 mittels eines vorläufigen, mit Tinte geschriebenen Paktes, das zweite Mal 1669 mittels eines endgültigen, mit dem eigenen Blute geschriebenen Vertrages. Nach erfolgreichen Exorzismen in der Gnadenkapelle von Mariazell erhielt Haitzmann 1677 die zweite Verschreibung vom Teufel zurück. Diese Erlösung war aber kurz, weil Haitzmann, zu Hause angekommen, aufs neue vom Teufel schrecklich gequält wurde. Deshalb kam er im Mai 1678 zum zweiten Mal nach Mariazell, wurde wieder exorziert und bekam bei dieser Gelegenheit auch den ersten mit Tinte geschriebenen Pakt vom Teufel zurück. Die Erlösung hatte diesmal nachhaltigeren Erfolg. Im Jahre 1681 legte Haitzmann Profeß als Barmherziger Bruder in Wien ab. Er starb 1700 im Konvent Neustadt an der Mettau/Nové Mesto nad Metuji in Böhmen.
Infolge der autobiographischen Inhalte ist der Fall Johann Christoph Haitzmann sowohl historisch als auch psychologisch besonders interessant. Er wurde hauptsächlich durch Sigmund Freuds Analyse bekannt.
Das Trophaeurn Mariano-Cellense ist eine handschriftliche Broschüre, die 1725-1729, also etwa 50 Jahre nach den Exorzismen, von den Patres in Mariazell und St. Lambrecht angefertigt wurde. Sie enthält die Texte der Verträge Haitzmanns mit dem Teufel, ein Empfehlungsschreiben eines Pfarrers für den Teufelsbündler bei den Patres in Mariazell, eine feierliche Bestätigung der ersten Erlösung, das Tagebuch und einen Brief über Haitzmanns Leben im Kloster und über seinen Tod. In dieser chronologisch gegliederten Geschichte waren auch Plätze für Entwurfskizzen Haitzmanns vorgesehen, die sich heute am Beginn des Faszikels befinden. Als Dank für seine erste Erlösung opferte Haitzmann nämlich bei seiner zweiten Wallfahrt ein Votivbild, ein Triptychon, das auf dem linken Seitenteil die erste Begegnung mit dem Teufel, auf dem rechten Seitenteil die zweite Begegnung und auf dem Mittelteil die Rückerstattung des mit Blut geschriebenen Kontraktes zeigt. Er hatte dieses Triptychon in der Periode zwischen den zwei Wallfahrten gemalt. Zugleich hatte er, ebenfalls für Mariazell, acht Bilder mit der Darstellung der Teufelsfiguren angefertigt, wie diese ihm bisher erschienen waren.
Bei der ersten Begegnung erschien der Teufel Haitzmann als reicher Bürger, auf dem vierten Bild bot der Teufel Haitzmann einen gefüllten Geldbeutel an, auf dem sechsten Bild wird die Sage vom Teufelstein dargestellt.


Gaston Vandendriessche


Literatur: Sigismund FREUD, Eine Teufelsneurose im 17. Jahrhundert (1923). In: Gesammelte Werke, Bd. XIII: Jenseits des Lustprinzips, S. 315-353.
Gaston VANDENDRIESSCHE, Johann Christoph Haitzmann, ein Teufelsbündler im 17. Jahrhundert. In: Mitteilungen des Kulturamtes St. Pölten 34/35 (1985/1986), dort die weitere umfangreiche Literatur.