Kaiserin Eleonore Magdalena Theresia (1655-1720)

Kaiserin Eleonore Magdalena Theresia (1655-1720)

In: Prinz Eugen und das barocke Österreich. Katalog der Ausstellung der Republik Österreich und des Landes Niederösterreich in den Marchfeldschlössern Schloßhof und Niederweiden vom 22. April bis 26. Oktober 1986. Redigiert von Karl Gutkas. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 170. – Wien: Kuratorium zur Veranstaltung der Ausstellung 1986. XXXI, 479. 8° Objekt-Nr.: 1.11, S. 43.

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Leihgeber: Zisterzienserstift Zwettl (Niederösterreich)
Kaiserin Eleonore Magdalena Theresia (1655-1720)

© Niederösterreichische Landesbildstelle, Wien


Öl auf Blech, 42 x 24, oval.
Nach 1705.

Eleonore Magdalena Theresia, die Tochter Philipp Wilhelms von Pfalz-Neuburg und der Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt war geprägt durch die streng religiöse Erziehung in ihrem katholischen Elternhaus. Ihr Wunsch war es, sich in ein Kloster zurückzuziehen. Als Kaiser Leopold I. nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin um sie warb, fügte sie sich nur widerstrebend dem Wunsch des Kaisers und ihrer Eltern und vermählte sich im Dezember 1676 mit Leopold. Der frommen und sittenstrengen Eleonore war es rasch gelungen, die Zuneigung ihres ebenso bigotten Gemahls zu gewinnen. Die Kaiserin, die am Wiener Hof ein einfaches, fast klösterliches Leben führte, über die Erziehung ihrer zehn Kinder - darunter die späteren Kaiser Joseph I. und Karl VI. - wachte, zeigte reges Interesse an den Regierungsgeschäften. Es soll vorgekommen sein, daß sie dringende Depeschen oder Briefe für Leopold I. zu entschlüsseln versuchte und ihm häufig als Sekretärin zur Seite stand. Ihren zahlreichen Verwandten fühlte sie sich besonders verbunden und versuchte, für den einen oder anderen eine Stelle mit reichen Einkünften oder Ehrenposten zu erlangen. Es war Eleonore gelungen, bei Leopold I. die Ernennung ihrer Brüder zu Inhabern kaiserlicher Regimenter und die Verleihung der Stelle eines Hoch- und Deutschmeisters an einen von ihnen durchzusetzen. Sie brachte auch Rheinländer an den Wiener Hof und war die Gönnerin des Hofkanzlers Theodor Strattmann. Nach dem Tod Kaiser Leopolds I. im Jahre 1705 versuchte Eleonore, ihren Einfluß am Kaiserhof aufrecht zu erhalten, indem sie teils mit ihrer Schwiegertochter Amalie, der Gemahlin Josephs I. zusammenarbeitete, teilweise gegen diese intrigierte. Im April 1711 wurde Eleonore nach dem Tod Josephs I. nach einstimmigem Beschluß der Geheimen Konferenz und der Zustimmung Karls III. mit der Interimsregentschaft betraut. Während ihrer kurzen Regierung kam es oft zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Mitgliedern der Geheimen Konferenz, vor allem mit dem Grafen Wratislaw und dem Prinzen Eugen, dem sie nie besondere Sympathien entgegenbrachte. Im letzten Moment konnte man sie davon abhalten, den Feldmarschall Johann Graf Pálffy von Ungarn, wo er mit den rebellischen Ungarn verhandelte, abzuziehen, weil er der Vater von der von Eleonore gehaßten langjährigen Mätresse Josephs I., Marianne Pálffy, war. Kurz darauf konnte der Friede von Szatmár von Eleonore unterzeichnet werden.
Nach der Rückkehr Karls aus Spanien zog sich die verwitwete Kaiserin vom Hofleben zurück und interessierte sich nur mehr für ihre Andachts- und Bußübungen, die Armen- und Krankenfürsorge. Eleonore, die ihren Gemahl um 15 Jahre überlebte, starb am 19. Jänner 1720 und wurde nach eigenem Wunsch in einem einfachen Holzsarg, in der Tracht der Servitinnen, beigesetzt.
Das Ovalbild zeigt Eleonore in Witwenkleidung mit Witwenschleier. Als einzigen Schmuck trägt sie ein Kreuz. Die Darstellungen als Witwe zeigen Eleonore entweder mit verhärmten oder strengen Gesichtszügen, wobei dieser Eindruck durch die schwarze Kleidung noch verstärkt wird.


Hildegard Leitgeb


Literatur: Hildegard LEITGEB, Frauen am Kaiserhof zur Zeit des Prinzen Eugen. Einfluß und Bedeutung der Kaiserinnen Eleonora Magdalena Theresia, Amalie Wilhelmine und Elisabeth Christine. In: Prinz Eugen und das barocke Österreich. Hrsg. von Karl Gutkas (Salzburg 1985), S. 65-72.
Ch. ADERHOLD, Eleonore Magdalena Theresia, eine kur-plälzische Prinzessin als deutsche Kaiserin. Hausarbeit an der Pädagogischen Hochschule Kaiserslautern, 1964.