Urkunde Kaiser Friedrichs I. für Herzog Heinrich und Herzogin Theodora

Urkunde Kaiser Friedrichs I. für Herzog Heinrich und Herzogin Theodora

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 357, S. 305.

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Leihgeber: Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg (Niederösterreich), Stiftsbibliothek
Urkunde Kaiser Friedrichs I. für Herzog Heinrich und Herzogin Theodora

© Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Krems (Foto C. Tarcsay)


1156, September 17, Regensburg.
Älteste erhaltene kopiale Überlieferung des Privilegium minus.

Kaiser Friedrich Barbarossa wandelt mit Billigung aller Fürsten anläßlich der Beilegung des Streites um Bayern die Mark Österreich in ein Herzogtum um, gibt es Herzog Heinrich und dessen Gattin Theodora zu Lehen und gewährt dem Herzogspaar besondere Vorrechte.
Das Original ist wahrscheinlich im Auftrag Herzog Rudolfs IV. im Jahre 1358/9 vernichtet worden. Schriftbild und äußere Merkmale wurden aber in die Fälschung Rudolfs, das Privilegium maius (Kat. Nr. 361) eingearbeitet. Diese Übernahme ist so genau, daß als Schreiber der Zierschrift der königliche Kaplan Albert aus dem Hause der Sponheimer ermittelt werden konnte. Die Reinschrift des Kontextes der Urkunde, die von einem erfahrenen Notar entworfen worden war, vollführte ein wenig versierter Gelegenheitsschreiber. Vom Original ist die Goldbulle erhalten, die an der Fälschung Rudolfs IV., dem Privilegium maius, befestigt ist.
Die älteste Überlieferung findet sich im Codex 929 folio 146v der Stiftsbibliothek Klosterneuburg und wurde wohl im Auftrag der Herzogin Gertrude um die Mitte des 13. Jahrhunderts angefertigt. Weitere Abschriften stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Druck: MG DD F. I. Nr. 151 und BUB Bd. IV 1 Nr. 803.
Die Erhebung Österreichs zum Herzogtum oder, wie derzeit vorwiegend formuliert wird, die Umwandlung der Mark in ein Herzogtum, war das Ergebnis langwieriger diplomatischer Verhandlungen. Friedrich Barbarossa war bemüht, den Konflikt seines Vaters mit dem Welfen Heinrich dem Löwen durch Rückgabe des Herzogtums Bayern zu beenden, zumal die Babenberger Leopold IV. und Heinrich II. dort niemals richtig Fuß fassen konnten. Vier Jahre dauerte der diplomatische Kampf, beginnend auf dem Hoftag zu Regensburg im Juni 1152. Einer Ladung nach Würzburg im Oktober leistete der Babenberger keine Folge, in Worms fand er zu Pfingsten 1153 formelle Ausflüchte, auch im September zu Regensburg und im Dezember in Speyer kam keine Einigung zustande. Als der Babenberger einer Ladung nach Goslar im Juni 1154 nicht nachkam, wurde das Herzogtum Bayern durch ein Urteil des Hofgerichtes Heinrich dem Löwen zugesprochen.
Als Friedrich Barbarossa im September 1155 von seiner Kaiserkrönung aus Rom zurückkehrte, brachten neuerliche Verhandlungen keinen Verzicht des Österreichers, obwohl Heinrich der Löwe das Land in Besitz nahm. Erst geheime Unterredungen im Juli 1156 führten zu einem Übereinkommen, so daß auf dem Hoftag zu Regensburg im September 1156 der feierliche Akt der Umwandlung Österreichs in ein Herzogtum möglich wurde.
Otto von Freising, der in seinen "Gesta Friderici imperatoris" den Festakt schildert, erzählt, daß der Kaiser seinem Oheim (Heinrich von Österreich) in dessen Zeltlager entgegenzog und dort das Ereignis kundtat. Heinrich von Österreich gab nunmehr das Herzogtum Bayern, durch sieben Fahnen symbolisiert, dem Kaiser zurück. Der übergab es Heinrich dem Löwen und erhielt von diesem zwei Fahnen, Österreich und die seit altersher dazugehörigen drei Grafschaften darstellend, zurück. Beide Fahnen übergab der Kaiser Heinrich von Österreich und machte dessen Land nach dem Urteil der Fürsten zu einem Herzogtum.
Über die drei Grafschaften gibt es viele Theorien. Die älteren Meinungen sind zusammengefaßt bei Th. Mayer, Das österreichische Privilegium minus, in Mitt. d. oberösterr. Landesarchives 5 (1957), Neudruck in Th. Mayer, Mittelalterliche Studien 1915, S. 202 ff. Die jüngste stammt von M. Weltin und besagt, darunter seien die drei Marken Ostarrichi, Ungarnmark und Böhmische Mark zu verstehen (Jb. f. Ldke. v. NÖ NF 42 [1976]).




Literatur: Wilhelm ERBEN, Das Privilegium Friedrichs I. für das Herzogtum Österreich (Wien 1902).
K. J. HEILIG, Ostrom und das Deutsche Reich um die Mitte des 12. Jahrhunderts. In: Schriften des Reichsinstitutes für ältere deutsche Geschichtskunde 9 (1944).
Heinrich FICHTENAU, Von der Mark zum Herzogtum. Grundlagen und Sinn des Privilegium minus für Österreich (= Österreich Archiv. Schriftenreihe des Instituts für Österreichkunde, Wien ²1965).
Heinrich FICHTENAU, Zur Überlieferung des Privilegium minus für Österreich In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 73 (1965).
Kurt ZEILLINGER, Die Notare der Reichskanzlei in den ersten Jahren Friedrich Barbarossas. In: Deutsches Archiv für Erforschung d. Mittelalters 22 (1966).
H. BÜTTNER, Das politische Handeln Friedrich Barbarossas im Jahre 1156. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 106 (1970).
Heinrich APPELT, Privilegium minus. Das staufische Kaisertum und die Babenberger in Österreich (= Böhlau Quellenbücher, Wien/Graz/Köln 1973).