Typar des Stiftes Göttweig

Typar des Stiftes Göttweig

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 289, S. 253.

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Leihgeber: Benediktinerstift Göttweig (Niederösterreich), Stiftsarchiv
Typar des Stiftes Göttweig

© Foto Ritter, Wien


Spitzovales, gegossenes und übergangenes Bronzetypar, 1288 Höhe 7,6 cm, Breite 6,2 cm. Rückseitiger Griffsteg vermutlich im 17. Jahrhundert aufgelötet.
Aufbewahrt in Göttweiger Wahlurne zusammen mit der Gründungsurkunde Altmanns.

Dieses Typar zeigt bereits frühgotische Elemente in seinem kräftigen Negativschnitt mit der Vorderansicht der romanischen Stiftskirche von Göttweig als Zweiturmfassade auf Felsenberg. Über dem großen, geschlossenen Portal die Fenstergalerie, sich nach Außen hin an Höhe verjüngend. Die Türme sind in zwei Geschossen durchbrochen und tragen Pyramidendächer. Beidseitig kragen die Apsiden der Querschiffe vor. Zwischen den Türmen erscheint in flacherem Schnitt eine im Kreuznimbus stehende Segenshand. Die Umschrift in Lapidarlettern + SIGILLVM CONVENTUS ECCLESIE CHOTWICENSIS.
In gutem Erhaltungszustand befindet sich der Abdruck dieses Typars als ungefärbtes Wachssiegel an der Göttweiger Urkunde vom 16. August 1288 (Fuchs Nr. 179), in welcher Abt Heinrich IV. von Göttweig (1286-1308) die Jahrtagsstiftung der Margaretha, der Witwe nach Otto von Wald, im Erträgnis eines Talents zu einem Frohmahle für beide Konvente zu Göttweig bestimmt. Fuchs bemerkt, daß dieses ungefärbte Wachssiegel des Göttweiger Konvents hier erstmals auftritt. Daneben die Siegel des Abtes Heinrich IV., des Albero von Michelstetten, des Wulfing von Wald und des Otto von Wald.
Das Vorgängertypar ist nur in seltenen Siegelabdrücken vorhanden. Erstmals kann es 1209 nachgewiesen werden, z. B. in der Urkunde Abt Rudigers von Baumgartenberg, der mit seinem Konvent dem Stifte Göttweig den Naturalzehent von 12 Joch Weingärten auf dem Limberg in der Pfarrei Krems gegen eine jährliche Ausgleichszahlung zu Martini ablöst (Fuchs Nr. 70). Das ebenfalls ungefärbte spitzovale Wachssiegel des Göttweiger Konvents (Höhe 6,4, Breite 4,3 cm) ist fragmentiert und trägt die Umschrift + CONVENTVS GRA DEI SCE CHODEVVICENSIS ECCLE. Unterschiedlich zum jüngeren Bronzetypar und seinen Abdrücken ist die Göttweiger romanische Klosterkirche in Längsansicht von Süden gezeigt mit der hohen Apsis im Osten. Der Westturm ist gegenüber dem neben der Apsis aufgehenden Turm kleiner. Diese Turmunterschiede gehen schließlich sogar in das Attribut des Kirchenmodells für St. Altmann ein. Die göttliche Segenshand zwischen den Türmen ist diesmal nach unten gerichtet.




Literatur: Karl von SAVA, Jahrbuch der k. k. Central-Commission 3 (1858), S. 226.
Urkunden und Regesten zur Geschichte des Benedictinerstiftes Göttweig, Bd. 1: 1058 - 1400. Bearb. von Adalbert Fr. Fuchs (= Fontes rerum Austriacarum 2, 51, Wien 1901), S. 85-86, 194.
Harry KÜHNEL, Mittelalterliche Typare und Siegel aus dem Stadtarchiv in Krems und aus den Stiften Göttweig und Herzogenburg. In: Mitteilungen der österreichischen Galerie 3 (1959), Nr. 30-33.
Romanische Kunst in Österreich. Ausstellung, veranstaltet von der Stadtgemeinde Krems an der Donau, 21. Mai bis 25. Oktober 1964, Minoritenkirche Krems-Stein. Redigiert von Harry Kühnel (Wien 1964), S. 305-306, Nr. 322, Abb. 52.
Der heilige Altmann, Bischof von Passau. Sein Leben und sein Werk. Festschrift zur 900-Jahr-Feier. Hrsg. Abtei Göttweig (Göttweig 1965), Abb. 9.