Die Melker Annalen

Die Melker Annalen

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 274, S. 243.

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Leihgeber: Benediktinerstift Melk (Niederösterreich), Stiftsbibliothek, HS. NR. 391 (früher 486)
Die Melker Annalen

© Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Krems (Foto C. Tarcsay)


Überwiegend Pergament, vereinzelt Papier; 95 Blätter; letzte Bindung im 16. Jahrhundert.

Sammelband bestehend aus:
Melker Marienlied aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts (Seite 3);
Kalendarium mit Nekrolog, im Hauptbestand 1140/45 geschrieben, fortgeführt bis ins 16. Jahrhundert (Seiten 4-27) ;
Cyclus Dionysii von 1016-1492 in Tabellenform (Seiten 28-29) ;
Breve chronicon Austriacum Mellicense, Abriß der Geschichte der Babenberger, verfaßt kurz vor 1177 (Seiten 30-31);
Epitaphien der in Melk begrabenen Babenberger, aufgezeichnet im 3. Jahrzehnt bzw. in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts (Seite 31 und Seite 32) ;
Gedicht über den Mongoleneinfall 1242 (Seite 32) ;
Papstkatalog bis 1266 (Seiten 33-43);
Kurzgefaßte Familiengeschichte der Babenberger ab Leopold III., verfaßt in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts (Seite 44);
Annalen, ab 1123 eigenständig, fortgeführt bis 1564 (Seiten 45-166);
Schriften zur Melker Reform von 1418, Listen der in Melk weilenden Gastmönche bis 1560, Listen der Konventualen in Melk bis 1535, verschiedene das Stift betreffende Nachrichten aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Seiten 167-183) ;
Abtreihe von Melk, verfaßt Anfang des 16. Jahrhunderts, fortgeführt bis 1739 (Seiten 185-186);
Genealogie des heiligen Koloman nach Forschungen eines schottischen Mönchs und dessen Begleitschreiben, beide 1524 verfaßt (Seiten 188-189).
In dieser Handschrift ist eine Reihe von wichtigen historisch-literarischen Werken zusammengefaßt, die trotz der sicherlich lückenhaften Überlieferung ein gutes Bild der geistigen Regsamkeit und kulturellen Arbeit der Klostergemeinschaft in Melk zur Zeit der Babenberger geben. Besonders hervorgehoben seien das Melker Marienlied, ein mit biblischen Bildern und allegorischen Motiven durchsetzter Hymnus auf die Gottesmutter oder das aus dem eigenen Erleben entstandene Gedicht zum Mongoleneinfall im Jahre 1242, sowie die Versuche, in kurzgefaßten Chroniken die Verbindung zum Geschlecht der Landesfürsten herzustellen, zu betonen und wach zu halten. Die Melker Annalen wiederum bilden die wichtigste Grundlage der nachfolgenden Annalistik und nahmen Einfluß über die Steiermark bis nach Salzburg. Als eigenständige Arbeit setzen sie mit dem Jahre 1123 ein und sind bis 1564 fortgeführt. Für den davorliegenden Zeitraum wurde hauptsächlich die Schwäbische Weltchronik, die auf der Reichenau entstanden ist und bis 1043 reicht, herangezogen, jedoch von verschiedenen Schreibern mit den für Melk wichtigen Ereignissen ergänzt und erweitert. In der Auswahl der aufgezeichneten Geschehnisse zeigt sich ebenfalls die enge Verbundenheit des Klosters mit der Landespolitik und dem Geschick der Babenberger.




Literatur: Teilabdrucke in Monumenta Germania SS. 9, 479ff.; 24, 69-71;
Monumenta Germania Necrologia 5, 551ff.
Ignaz Franz KEIBLINGER, Geschichte des Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterreich, seiner Besitzungen und Umgebungen, Bd.1: Geschichte des Stiftes (Wien 1851), S. 203ff.
Ernst KLEBEL, Die Fassungen der österreichischen Annalistik. In: Jahrbuch des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 21 (1928), S. 157ff.
Franz Josef SCHMALE, Die österreichischen Annalen des 12. Jahrhunderts. In: Deutsches Archiv 31 (1975).
Karl LECHNER, Die Anfänge des Stiftes Melk etc. In: Jahrbuch des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 29 (1944-1948), S. 47-81.