Schmuck aus den Gräberfeldern Zwentendorf und Köttlach, Niederösterreich

Schmuck aus den Gräberfeldern Zwentendorf und Köttlach, Niederösterreich

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 192, 193, 195, 213, 217, S. 217.

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Schmuck aus den Gräberfeldern Zwentendorf und Köttlach, Niederösterreich

© Niederösterreichische Landesbildstelle, Wien

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden immer wieder einzelne Gräberfelder angeschnitten, die kennzeichnende, emailverzierte Schmuckstücke ergaben und die nach dem ersten dieser Art in Niederösterreich entdeckten Gräberfeld von Köttlach im Bezirk Neunkirchen als Gräberfelder der Köttlach Kultur bzw. neuerdings ausgehend von den reichen Funden im karantanischen Gebiet als Gräberfelder des karantanisch-Köttlacher Kulturkreises bezeichnet werden. Das Auftreten dieser unter diesem Begriff zusammengefaßter Schmuckformen ist nicht auf das östliche bzw. südöstliche Mitteleuropa (Niederösterreich, die Steiermark, Kärnten, Slowenien und Friaul) beschränkt, sondern wir finden derartiges Schmuckgut im gesamten mittel- und westeuropäischen Bereich und auch auf den Britischen Inseln treten derartige Typen auf. Die Häufigkeit bzw. das massierte Auftreten dieser Schmuckformen im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa im Gegensatz zu den vereinzelten Fundstücken, die wir aus dem übrigen europäischen Bereich kennen, hängt wohl damit zusammen, daß in letzterem Bereich infolge geänderter Bestattungs- und Friedhofsitten und einer den meisten Fällen damit bis in die Neuzeit hinein kontinuierlichen Weiterbelebung der karolingischen Friedhofsareale nur vereinzelt derartige Schmuckstücke gefunden werden. Im Gebiet des Köttlacher Kulturkreises setzt jedoch die entsprechende Kirchen- bzw. Pfarrorganisation von Westen nach Osten fort-schreitend später ein. Es liegt vorerst eine Form von gemischt belegten Friedhöfen einer halb christlich halb nach anderen Riten bestattenden Bevölkerung vor, die sowohl aus ortsansässigen Slawen als auch aus deutschen Kolonisten besteht. Neben diesen karolingisch-ottonischen Schmuckformen, die zweifellos im karantanischen Bereich hergestellt wurden, finden sich auch verschiedene Schmuckformen, die mit den magyarischen Siedlungsbereichen in Zusammenhang gebracht werden können, aber auch slawische Schmuckformen, wie wir sie im gesamten dem westlichdeutschen Raum benachbarten west- und südslawischen Siedlungsgebieten kennen. Außer dem bereits genannten Gräberfeld von Köttlach sind für das Gebiet Niederösterreichs die Gräberfelder von Langenschönbichl, Franzhausen, Zwentendorf, Wieselburg, Thunau, Deutsch Altenburg und der Oberleiserberg und für das Burgenland das Gräberfeld von Lutzmannsburg zu nennen.
192
Halbmondförmiger Bronzering mit Pflanzenmotiv und Resten von weißen und blauen Emaileinlagen.
Länge 4,1 cm.
Fundort: Köttlach.
Niederösterreichisches Landesmuseum, Inv. Nr. 8269c.
193
Halbmondförmiger Bronzeohrring mit Darstellung eines Tieres mit erhobener rechter Vorderpranke.
Länge 4,5 cm.
Fundort: Köttlach.
Niederösterreichisches Landesmuseum, Inv. Nr. 8269b.
195
Drei untere Hälften von halbmondförmigen Bronzeohrringen mit Lebensbaummotiv und verschiedenfarbigen Emaileinlagen.
Fundort: Köttlach.
Niederösterreichisches Landesmuseum, Inv. Nr. 8270 a-c.
213
Großer Dreibeerenohrring aus Messing mit ausgehämmertem, umgeschlagenem und eingerolltem Ende, Schlingenhakenverschluß und aufgesetzten zweiteiligen Hohlkugeln, die durch Drahtumwicklung des Ringes in gleichen Abständen zueinander gestellt sind.
Durchmesser 5,5 cm.
Fundort: Köttlach.
Niederösterreichisches Landesmuseum, Inv. Nr. 8273.
217
Halbmondförmiges Ohrringpaar aus Messingblech mit Flechtbandverzierung.
Länge 4,8 cm.
Fundort: Zwentendorf Grab 88.
Niederösterreichisches Landesmuseum, Inv. Nr. 11245a/b.




Literatur: R. Pittioni, Der frühmittelalterliche Gräberfund von Köttlach, Landkreis Gloggnitz, Niederdonau, Sonderschriften hg. von der Zweigstelle Wien des Arch. Inst. d. Deutschen Reiches, Band XIV, 1943.
Der karantanisch-köttlacher Kulturkreis. Frühmittelalterlicher Schmuck. Ausstellungskatalog. Hrsg. von Walter Modrijan, Schild von Steier (= Kleine Schriften 16, Graz 1975).