© MAK, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien
Steirisch, zwischen 1239 und 1269.
Leinen, mit Seide bestickt (Flach-, Gobelin-, Zopf-, und Hexenstich). Die Seide ist teilweise ausgefallen. Die Mitte des Bandes ist mit Teilen der Casula ausgeflickt.
Höhe: 156 cm, Breite: 302 cm.
Aus Stift Göß, Steiermark.
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Inschrift in der Umrahmung des mittleren Medaillons: CELI MATRONA CHVNEGVNDIS SVSCIPE DONA CASVLA CV(M) CAPPA PLACEAT TIBI CELICA MA[PPA] (Herrin des Himmels, nimm die Geschenke der Kunegunde an, Casula und Cappa (= Pluviale) möge das herrliche Antependium Dir gefallen). Kunegundis war 1239 bis 1269 Äbtissin des Nonnenstiftes Göß. Ihr Ornat blieb fast vollständig erhalten. Erst 1908 wurde er von Göß, das 1782 als Stift aufgehoben wurde, von 1784-1800 Sitz eines kurzlebigen Bistums Leoben war und seither Pfarrkirche ist, verkauft. Alle großen Teile des Ornats (Pluviale, Casula, Dalmatica, Tunicella und Antependium) werden im Österreichischen Museum für angewandte Kunst verwahrt; eine Stola im Schnütgen-Museum, Köln; weitere Teile im Victoria & Albert-Museum, London. Es ist der einzige so komplett erhaltene Ornat des Hochmittelalters. Verwendet wurde er, soweit feststellbar, im Stift nur am Gedenktag der Stifterin des Klosters, der Gräfin Adala, am 7. September (der Stifterin "Strüzelweih"). Daher mag seine relativ gute Erhaltung erklärbar sein. In der Barockzeit erfolgte eine Restaurierung, die freilich auch die Form der Gewandstücke veränderte. Vor allem die Casula wurde auf die damals übliche Geigenform zurechtgeschnitten. Die wegfallenden Teile wurden zum Ausflicken der anderen Gewandstücke, vor allem des Pluviales verwendet. So ist das Bild der Stifterin von der Casula übernommen und ersetzt das ursprüngliche, heute verlorene Bild der Äbtissin Kunigunde mit den beiden Nonnen Wilbirgis und Gertrudis, das zu der Inschrift CHVNEGVNDIS ABAT(ISSA) unter dem mittleren Medaillon des Pluviales gehörte. Das Mittelmedaillon zeigt die Maria lactans, die stillende Gottesmutter; um sie sind die Evangelistensymbole geordnet (heute sind durch Ausflickungen die des Johannes und Matthäus teilweise verloren).
Im übrigen sind auf dem Pluviale ebenso wie auf dem ganzen Ornat Tiere und Fabelwesen dargestellt, die zum Teil auf dem Physiologus basieren und symbolisch zu Christus und Maria in Beziehung stehen. Allerdings ist anzunehmen, daß das Programm des Gößer Ornats nicht unmittelbar auf den Physiologus zurückgeht, sondern auf zeitgenössischen religiösen Schriften, den Legenden zum Leben Mariä, beruht. Dafür würde auch das reiche mariologische Programm des Ornats gut passen, das wieder mit der Weihe der Stiftskirche und der Widmung des Ornats an Maria zusammenhängt. Daneben ist der Ornat auch ornamental geschmückt. An Stellen, wo die Seide ausgefallen ist, sind Vorzeichnungen sichtbar, die stilistisch mit Salzburger Arbeiten zu verbinden sind. Die Ausführung geht wohl auf die Nonnen des Stiftes Göß zurück.
Aus Katalog: Romanische Kunst in Österreich, Nr. 178.
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