Flabellum (Scheibenkreuz) mit Fuß

Flabellum (Scheibenkreuz) mit Fuß

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 1102, S. 600.

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Leihgeber: Benediktinerstift Kremsmünster (Oberösterreich)
Flabellum (Scheibenkreuz) mit Fuß

© Foto Herbert Fasching, Wilhelmsburg


Flabellum:
Kupfer, getrieben und teilvergoldet.
Die Kreuzbalken waren wohl ursprünglich verkleidet und mit Steinen besetzt.
Niedersächsisch, 1170-1180
Durchmesser: 28,5 cm
Fuß:
Kupfer vergoldet mit Email.
Niedersächsisch, 4. Viertel 12. Jahrhundert
Höhe 12,5 cm

Flabellum:
Bilder und Texte:
Links oben: Die Auferstehung Christi und die drei Frauen am Grabe.
Inschrift: MYSTICVS ECCE LEO SURGIT BARATRO POPULATO (Siehe, der mystische Löwe
ersteht, nachdem er den Abgrund bezwang).
Darunter: Der Löwe erweckt seine totgeborenen Jungen durch sein Gebrüll zum Leben.
Inschrift: QVID LEO UEL CATULVS SIGNENT VIX EXPRIMET ULLVS (Was der Löwe oder sein Junges versinnbildlichen, wird kaum jemand zum Ausdruck bringen).
Rechts oben: Die Himmelfahrt Christi.
Inschrift: HIC VOLUCREM MERSUM SAPIAS SVP(ER) ETHERA VERSUM (Hier mögest Du den begrabenen Adler sich über die Lüfte erheben erkennen).
Darunter: Der Sonnenflug der Adler.
Inschrift: HIC AQVILE GESTVS IE(S)U TYPUS EST MANIFESTVS (hier wird die Haltung des Adlers als Typus Jesu offenbar).
Fuß: Samson mit den Türflügeln von Gaza.
Inschrift: CONFRINGES POSTEM SAMSON SIC OBRVIT HOSTEM (So besiegte Samson durch die Zerstörung des Tores den Feind).
Moses und die eherne Schlange.
Inschrift: QVI NOS SALVAVIT DOMINVM CRUX S(AN)C(T)A LEVAVIT (Den Herrn, der uns gerettet hat, erhöhte das Heilige Kreuz).
Die Juden schreiben das Tau an ihre Tore.
Inschrift: TAV QVE POSTEM NOTAT EST CRUX QVE FVGAT HOSTEM (das Tau, welches das Tor kennzeichnet, ist das Kreuz, das den Feind in die Flucht schlägt). Vermutlich hat der erste Vers der Textvorlage gelautet: "Tau que notat postem. .."
Die Bilder des Flabellums gehören in der oberen Zone der Christologie an, in der unteren zeigen sie die jeweiligen Entsprechungen aus dem Physiologus. Auf dem Fuß Konkordanzen aus dem alten Testament zu Kreuz und Erlösungswerk Christi. Die Frage der Zusammengehörigkeit der beiden Stücke bleibt offen. Der Fuß stammt ikonographisch jedenfalls von einem Altarkreuz. Das Flabellum wurde wie in vielen abendländischen Fällen als Scheibenkreuz auf den Altar gestellt verwendet. Da die Herkunftsgegend und Zeit die gleiche zu sein scheinen, wäre auch die ursprüngliche Verbindung der beiden Stücke möglich. Nach Swarzenski könnte das Flabellum auch englisch sein, was jedoch nicht entschieden ist. Beide Arbeiten von hervorragender Qualität. Mit dem Kästchen aus Vorau und dem Wiltener Kelch im Kunsthistorischen Museum stellen die beiden Stücke einen auffallenden Bestand großartiger niedersächsischer Werke des späten 12. Jahrhunderts in österreichischen Klöstern dar, der möglicherweise ursprünglich noch größer war und wohl auf eine Beziehung zwischen Heinrich dem Löwen und jenen Klöstern hinweisen dürfte.




Literatur: Georg SWARZENSKI, Aus dem Kunstkreis Heinrichs des Löwen. In: Städel-Jahrbuch VII/VIII, (1932) S. 351;
Ma. Klosterkunst Nr. 273;
Hanns SWARZENSKI, Monuments of Romanesque Art. The art of church treasures in North-Western Europe (Chicago o. J.), S. 64, Kat.-Nr. 144, 145; Fig. 321, 322;
Hermann FILITZ, In: El arte románico. Exposición organizada por el Gobierno Español bajo los auspicios del Consejo de Europa. Guía. Barcelona y Santiago de Compostela, 10 julio a 10 octubre 1961(Barcelona 1961), S. 248, Nr. 1162;
Hermann FILLITZ, In: Der österreichische Beitrag zur Europarat-Ausstellung.
Romanische Kunst in Österreich. Ausstellung, veranstaltet von der Stadtgemeinde Krems an der Donau, 21. Mai bis 25. Oktober 1964, Minoritenkirche Krems-Stein. Redigiert von Harry Kühnel (Wien 1964), (129), (130).