Hartmann-Kasel

Hartmann-Kasel

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 1083, S. 592.

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Leihgeber: Domschatz von Brixen (Südtirol)
Hartmann-Kasel

© Foto March, Brixen


Orientalische Purpurseide-Weberei. Dunkelviolette Seide mit kleinem Rautenmuster in Braunschwarz. Am Halsrand gewebte Streifen mit kufischer Schrift. Palermitanische Goldwirkbordüre mit verschiedenen Motiven. Ursprünglicher Durchmesser 320 cm, Höhe 145 cm, Borte 10-12 cm breit. Entstanden in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Hartmann, Sohn des nichtadeligen Poppo und der Azewil, wurde der Überlieferung nach um 1090 in Polling geboren. Im Augustiner Chorherrenstift St. Nikola in Passau, das der Reformbischof Altmann um 1067 gegründet hatte, wurde Hartmann erzogen und weilte dort 20 Jahre als Chorherr. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147), der große Reformbischof nach dem Investiturstreit, setzte Hartmann um 1125 als Domdekan von Salzburg ein, wo er 6 Jahre verweilte. Als Erzbischof Konrad 1131 in Herren-Chiemsee ein Augustiner-Chorherrenstift einrichtete, setzte er Hartmann als ersten Propst ein.
Markgraf Leopold III. von Österreich (1095-1136) hat 1133 das von ihm 1110 gegründete Kollegiatstift Neuburg in ein Augustiner-Chorherrenstift umgewandelt und erbat sich vom Salzburger Erzbischof Hartmann als ersten Propst von Kloster Neuburg. Durch die Gunst des Markgrafen wurden Kirche und Kloster ausgebaut, noch ehe Leopold III. starb. Hartmann erwirkte 1137 den Schutz des Papstes Innozenz II. für Kloster Neuburg, dem er sieben Jahre vorstand.
Über Betreiben des Erzbischofs Konrad wurde Hartmann 1140 nach dem Tode des Bischofs Reginbert zum Bischof von Brixen gewählt und vollzog die kirchliche Reform in Brixen, das zur Zeit des Investiturstreites auf kaiserlicher Seite stand. Mit Hilfe des Ministerialen Reginbert von Säben hat Hartmann 1142 das Augustiner Chorherrenstift Neustift bei Brixen gegründet und mit Klosterneuburger Chorherren besetzt. Bischof Hartmann gründete neue Pfarreien, förderte Klöster und Hospize, wirkte als Friedensstifter und wahrte die reichsfürstlichen Rechte seines Bistums. Zusammen mit den Salzburger Erzbischöfen war er ein Hauptförderer der Reform auf Synoden und Reichstagen; er genoß großes Vertrauen bei Kaiser Friedrich I. Im Privilegium minus Heinrichs II. von Österreich erscheint er als Zeuge. Unerschütterlich stand er zusammen mit dem Salzburger Erzbischof auf der Seite des römischen Papstes Alexander III. und scheute dabei nicht den Widerstand gegen den Kaiser. Hartmann starb am 23. 12. 1164 in Brixen und wird als Seliger verehrt.




Literatur: Anselm SPARBER, Leben und Wirken des seligen Hartmann Bischofs von Brixen 1140--1164 (Wien 1957).