Bronzeglocke aus St. Martin im Ybbsfeld, Niederösterreich

Bronzeglocke aus St. Martin im Ybbsfeld, Niederösterreich

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 908, S. 498.

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Leihgeber: Pfarrkirche St. Martin im Ybbsfeld (Niederösterreich)
Bronzeglocke aus St. Martin im Ybbsfeld, Niederösterreich

© Bundesdenkmalamt, Wien


Von unbekanntem Gießer im Jahre 1200 gegossen. Durchmesser: 96 cm, Gewicht: 600 kg.
1. Teilton: a + 2/16, 2. Teilton: a 1 + 2/16, 3. Teilton: c 2 + 5/16, 4. Teilton e 2 ± 0, 5. Teilton: a 2 + 3/16.
Glockentyp: Oktave. Tongebung: hell. Nachhall: 55 s.
Abgefaste Henkel. Zwischen oben zwei und unten einer flachen Zierleiste die Inschrift in spätromanischen Majuskeln: + O REX GLORIE VENI CV PACE MCC. Über dem Schlagring und über dem Glockenrand je eine Zierleiste.

Nach den noch vorhandenen Glocken aus dem 11. bis 13. Jahrhundert kann auf eine rege Tätigkeit von Glockengießern im österreichischen Raum geschlossen werden. Als Beweis für die Höhe der Kunst der Glockengießer kann die aus dem Jahre 1200 stammende Glocke aus St. Martin im Ybbsfeld bei Amstetten angeführt werden. Sie ist die älteste erhalten gebliebene Oktaveglocke Österreichs - möglicherweise sogar von ganz Europa - und von hervorragender Klangqualität. Sie überlebte die Türkenzeit nur dadurch, daß sie vergraben wurde. Eine zweite Glocke von St. Martin aus dem Jahre 1200 wurde im 1. Weltkrieg eingeschmolzen.
Die Teiltöne der Glocke, die durch den Klöppelanschlag gleichzeitig erregt werden, ergeben den Akkord eines Molldreiklanges mit der Ober- und Unteroktave. Es ist dies die erste Glocke dieses optimalen musikalischen Typs in Österreich, vielleicht sogar von ganz Europa.


Josef Pfundner


Literatur: Johannes Ev. FAHRNGRUBER, Hosanna in excelsis. Beiträge zur Glockenkunde aus der Diözese St. Pölten (St. Pölten 1894), S. 125.
Andreas WEIßENBÄCK, Josef PFUNDER, Tönendes Erz. Die abendländische Glocke als Toninstrument und die historischen Glocken in Österreich (Graz 1961), S. 362.