Portallöwe aus dem Wiener Schottenkloster

Portallöwe aus dem Wiener Schottenkloster

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 902, S. 492.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen


Leihgeber: Germanisches Nationalmuseum (Nürnberg, Deutschland)
Portallöwe aus dem Wiener Schottenkloster

© Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg


Kalksandstein, Höhe 37, Breite 34, Länge 74 cm.

Er wurde 1893 bei der Errichtung des Denkmals für Heinrich II. aus der barocken Wand genommen. Sein Gegenstück mußte jedoch in dieser belassen werden. Nachdem in Österreich niemand den Löwen haben wollte, wurde er ins Ausland verkauft.
Körper, aber auch Beine und sogar die Mähnenzipfel sind schon sehr rundplastisch gearbeitet, was erst in der späten Romanik möglich wird. Vor allem der menschliche Kopf ist stark plastisch durchmodelliert, mit vollen Wangen, tiefen Augenhöhlen, langen Haarflechten. Die gleichen Köpfe kann man am Riesentor des Wiener Stefansdomes erkennen, das meist um 1230 datiert wird. Es bleibt nur die Frage, wie weit man von dem Weihedatum 1200 abrücken soll.
Das plattenförmige Ende rückwärts, das einmal in eine Wand eingebunden war, beweist, daß dieser Löwe vor einem Portal aufgestellt war. Der Mensch, den er in den Pranken hält, ist jedenfalls ein Sünder (fraglich, ob Mann oder Frau), eine Symbolik, die an einem Kirchenportal, der Grenze zur "bösen" Welt, sehr wohl angebracht war.
Löwenportale waren auch in Österreich weit verbreitet, es hat sich aber kaum eines intakt erhalten; nur die Löwen haben öfter die Zeiten überdauert und sind gelegentlich anzutreffen. In Italien tragen die Löwen vielfach Säulen der Baldachinportale, wofür hier sichtlich der Ansatz fehlt.