Zisterzienserstift Zwettl, Kapitelsaal

Zisterzienserstift Zwettl, Kapitelsaal

In: 1000 Jahre Babenberger in Österreich. Katalog der Niederösterreichischen Jubiläumsausstellung im Stift Lilienfeld vom 15. Mai bis 31. Oktober 1976. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich. Bearbeitet von Erich Zöllner, Karl Gutkas, Gottfried Stangler, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 66. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1976. XXIII, 774. 8°. Objekt-Nr.: 897b, S. 489.

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Leihgeber: Zisterzienserstift Zwettl (Niederösterreich)
Zisterzienserstift Zwettl, Kapitelsaal

© Niederösterreichische Landesbildstelle, Wien


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Innenansicht. Baudaten sind: Gründung 1138, eine Weihe 1159. Es ist allerdings nicht geklärt, welche Bauteile 1159 vollendet waren.

Zwettl besitzt den ältesten erhaltenen Kapitelsaal eines Zisterzienserklosters. Zu sehen ist b) die Westseite zum Kreuzgang mit dem Portal und zwei Fenstern, c) die Ostseite mit der ehemaligen Apsis. Einzigartig ist der Mittelpfeiler, ein Denkmal von außergewöhnlicher Bedeutung.
In Frankreich finden sich im 12. Jahrhundert nur breiträumige Kapitelsäle mit zwei Stützen (drei Schiffe, zwei Joche) - dieser "Einstützenraum" könnte daher aus der bodenständigen Bautradition abgeleitet werden. Im Grundriß ist er quadratisch und setzt sich aus vier quadratischen Jochen zusammen. Das "Säulenverbot" bei den Zisterziensern hatte hier die ungewöhnliche Pfeilerform zur Folge, weil man die angesetzten Säulchen, welche die Rippen tragen, gleichsam abschnitt, wodurch unten der Pfeilerkern allein steht. Grundsätzlich ist es aber schon die Form des sogenannten kantonierten Pfeilers, wie er in der französischen Frühgotik charakteristisch ist. Die Wandvorlagen sind gleichfalls abgekragt, bzw. gestuft. In den Wandmitten sitzen Lisenen, flankiert von 3/4-Säulen, beide konsolenartig gestutzt. Es sind zwar Vorlagen für die Schildbögen vorhanden, doch fehlen Schildbögen selbst.