Gebetbuch

Gebetbuch

In: 800 Jahre Franz von Assisi. Franziskanische Kunst und Kultur des Mittelalters. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung in Krems-Stein, Minoritenkirche, vom 15. Mai bis 17. Oktober 1982. Redigiert von Harry Kühnel, Hanna Egger, Gerhard Winkler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 122. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1982. XXVIII, 775. 8°. Objekt-Nr.: 11.04, S. 633.

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Leihgeber: Kestner-Museum (Hannover, Deutschland), WM. Ü 22
Gebetbuch

© Kestner-Museum, Hannover


Köln, um 1330.
Pergament, 64 Blatt, 15 x 10,5 cm.
Ausstattung:
51 ganzseitige, zum Teil zweigeteilte Miniaturen (in Auswahl):
Blatt 1v Verkündigung an Joachim
Blatt 2v Verkündigung an Anna
Blatt 3v Verkündigung an Joachim und Anna
Blatt 4v Geburt Mariens
Blatt 5v Tempelgang Mariens
Blatt 6v Erwählung Josephs zum Gatten
Blatt 7v Vermählung Josephs mit Maria
Blatt 8v Verkündigung an Maria
Blatt 9v Heimsuchung Mariens
Blatt 10v Geburt Christi
Blatt 11v Verkündigung an die Hirten
Blatt 12v Bethlehemitischer Kindermord
Blatt 13v Flucht nach Ägypten
Blatt 14v Beschneidung Christi
Blatt 15v Maria badet das Kind
Blatt 16v Anbetung der Könige
Blatt 17v Darbringung im Tempel
Blatt 18v Zwölfjähriger Jesus im Tempel, Jesus mit Maria und Joseph
Blatt 19v Taufe Christi
Blatt 21v Hochzeit zu Kanaan, Auferweckung des Lazarus
Blatt 22v Christus bei Martha und Maria Magdalena
Blatt 24v Christus reicht Judas den Bissen
Blatt 25v Fußwaschung
Blatt 26v Letztes Abendmahl
Blatt 27v Gebet Jesu am Ölberg
Blatt 28v Gefangennahme Christi
Blatt 29v Fesselung Christi
Blatt 30v Christus vor Kaiphas
Blatt 32r Christus vor Pilatus
Blatt 33v Christus vor Herodes
Blatt 34r Kreuzabnahme
Blatt 36r Christus vor dem Hohenpriester
Blatt 37r Geißelung
Blatt 38v Entkleidung Christi
Blatt 39v Kreuzannagelung

In diesem kleinformatigen Gebetbuch wurde auf ornamentale Verzierungen verzichtet; 51 ganzseitige Miniaturen stehen in die diversen Gebetstexte eingestreut. Die Handschrift ist die reichst illustrierte im Köln des 14. Jahrhunderts. Die Themen reichen von der Verkündigung an Joachim bis zum Pfingstfest. Besonders reich sind die Kindheit Jesu und die Passion illustriert. Die Handschrift folgt damit einem Schema, wie es auch von der aus dem Klarissenkloster stammenden Tafel mit dem Leben Jesu bekannt ist (vgl. "Andachtstafel mit dem Leben Christi"). Hier wie dort wird die reiche bildliche Ausgestaltung des Lebens Christi als Mittel und Anregung zur Meditation eingesetzt.
Folio 18v zeigt im zweiszenigen Bild Jesus im Tempel und den Weg mit den Eltern dorthin. Diese Thematik und auch andere selten dargestellte Szenen, wie Bad des Kindes durch Maria etwa, lassen den Schluß zu, daß es sich um ein für ein Nonnenkloster bestimmtes Gebetbuch handelt, da gerade für diese eine solche Auswahl an Szenen charakteristisch wäre. Bestätigt wird dies durch eine stilistische Zuordnung der Handschrift. Die Arbeit, die von mindestens zwei Minatoren ausgeführt wurde, weist in ihrer mit reicher Binnenzeichnung modellierenden Malweise, die auf starke Farbkontraste verzichtet, engste Verwandtschaft mit Einzelblättern auf, die aus einer Handschrift des Kölner Klarenkloster stammen. Da diese Blätter eindeutig in der Klosterwerkstattproduziert wurden, kann man auch für das Gebetbuch eine Entstehung in dieser annehmen.


Elisabeth Vavra

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Literatur: Aenne LIEBREICH, Ein Kölnisches Gebetbuch des 14. Jahrhunderts im Provinzialmuseum zu Hannover. In: Jahrbuch des Provinzial-Museums Hannover NF 2 (1927), S. 45ff.
Eberhard GALLEY, Miniaturen aus dem Kölner Klarissenkloster. In: Aus der Welt des Bibliothekars. Festschrift für Rudolf Juchhoff zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Kurt Ohly (= Veröffentlichung des Bibliothekar-Lehrinstituts des Landes Nordrhein-Westfalen, Köln 1961), S. 15ff.
Katalog "Vor Stefan Lochner. Die Kölner Maler von 1300 bis 1430." Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum Köln, 29. März bis 7. Juli 1974. (Köln 1974), S. 133f.