© Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
Niedersachsen (?), Hildesheim, Werkstatt des Domtaufbeckens (?), 13. Jahrhundert, Bronze, gegossen und graviert, Ausgußhahn am Nabel spätere Zutat, Höhe 26,8 cm
|
Bronzene Gießgefäße gehören zu den prunkvollen Repräsentationsgeräten der mittelalterlichen Tafel. In der Mehrzahl treten sie als Tierfiguren (Löwen-, Reiteraquamanile) auf; Aquamanile in menschlicher Gestalt sind seltener. Das eine verkrüppelte männliche Figur wiedergebende Gefäß (übergroßer Kopf, verformte Beine, dicker Bauch, Hühnerbrust) kann als Darstellung eines Flußgottes gedeutet werden. "Die antiken Flußgötter lebten in der Vorstellung des christlichen Mittelalters weiter, einerseits als Personifikation der vier Paradiesflüsse, andererseits wie viele antike Götter als dämonisierte Unholde" (R. Kahsnitz). Neben Körperbau und Aussehen (Gesichtszüge) unterstützt diese Deutung die ursprünglich als Ausfluß dienende, um den rechten Arm der Figur gewundene Schlange (Sinnbild der Erde, des Niedrigen und Bösen). Abgesehen von einem kurzen, gravierten Beinkleid ist der Krüppel nackt. Er kniet auf seinem rechten Bein und stützt den linken Arm auf sein aufgestelltes linkes Bein. Unter dem rechten Fuß befindet sich eine Kugel als Stütze. Die Eingußöffnung ist am Hinterkopf angebracht und durch einen Klappdeckel verschließbar.
Gerhard Jaritz
|