St. Christophorus um 1470

St. Christophorus um 1470

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 237, S. 407.

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Leihgeber: Dom- und Metropolitankirche St. Stephan (Wien)
St. Christophorus um 1470

© Bundesdenkmalamt, Wien


Nikolaus Gerhaert (?)
Stein, Höhe ca. 2 m, Durchmesser ca. 60 cm.

Als erster hat Bruno Fürst die Abhängigkeit dieser Figur von Niklas Gerhaert erkannt. Dieser Zuschreibung schlossen sich Pinder und Tietze an. Eine eingehendere Untersuchung von Otto Wertheimer denkt an keine eigenhändige Vollendung. Peter Baldass hat nach der Stephansdom-Ausstellung diese Frage zum Gegenstand einer neuerlichen Untersuchung gemacht und im Vergleich mit der Grabplatte von St. Stephan die
eigenhändige Ausführung angenommen. Das "räumliche Moment, das die Skulptur aus dem Gesamtrahmen (oder der Silhouette) schält", ist für ihn ein überzeugendes stilistisches Charakteristikum, ebenso, daß die
Gewanddraperie von Form und Bewegung der Figur abhängig ist. Die heute befremdende Oberfläche mit groben Meißelschlägen geht auf eine " Verrestaurierung" des 19. Jahrhunderts zurück. Damals wurde auch die farbige Fassung entfernt. Reste sind noch sichtbar. Im wesentlichen unverändert sind die seitwärts auseinanderfallenden Haare des Heiligen.
Die Plastik steht heute am nordwestlichen Pfeiler des Hallenchores von St. Stephan. Vor der Zerstörung befand sie sich am südlichen Pfeiler neben dem Hochaltar, vermutlich gegenüber dem Platz, den der Kaiser beim Gottesdienst einnahm. Es ist durchaus denkbar, daß Friedrich, der den heiligen Christophorus besonders verehrte (siehe S.68), die Skulptur gestiftet hat, was auch die Heranziehung des von ihm nach Österreich berufenen Bildhauers erklären könnte. Man beachte die naturverbundene, expressive Auffassung gegenüber der Kirschenmadonna ("Madonna der Wappenwand der Georgskirche") und die ganz anderen technischen Möglichkeiten der Holzskulptur.



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Literatur: Bruno FÜRST, Beiträge zu einer Geschichte der oesterreichischen Plastik in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts (Leipzig 1931), S. 73.
Der Stephansdom. Geschichte, Denkmäler, Wiederaufbau. Ausstellung veranstaltet von der Dom-und Metropolitankirche zu St. Stephan im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien. Sept.-Nov. 1948. Hrsg. von Rudolf Bachleitner (Wien 1948), S. 42, Nr. 118.
Peter BALDASS, Der Nicolaus Gerhaert-Christophorus im Chor der Wiener Stephanskirche. In: Österreichische Zeitschrift für Denkmalpflege IV (1950), S. 6-10.
Karl GINHART, Die gotische Plastik in Wien. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien (Wien 1955), S. 90, Abb. 64.
Friedrich WIMMER, Nikolaus Gerhaert und einige Figuren am Wiener Stephansdom. In: Belvedere VII (1925), S. 104ff.
Wilhelm PINDER, Handbuch der Kunstwissenschaft, Bd. II: Die deutsche Plastik (Wildpark-Potsdam 1929), S. 358.
Otto WERTHEIMER, Nicolaus Gerhaert, seine Kunst und seine Wirkung (= Jahresgabe des deutschen Vereines für Kunstwissenschaft, Berlin 1929).
Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdomes in Wien. Bearbeitet von Hans Tietze. Mit Planaufnahmen von Michael Engelhart (= Österreichische Kunsttopographie 23, Wien 1931), S. 384f.