Madonna der Wappenwand der Georgskirche in Wiener Neustadt, um 1453

Madonna der Wappenwand der Georgskirche in Wiener Neustadt, um 1453

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 236, S. 406.

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Leihgeber: Militärakademie Wiener Neustadt (Niederösterreich), Georgskirche
Madonna der Wappenwand der Georgskirche in Wiener Neustadt, um 1453

© Bundesdenkmalamt, Wien


Auch als Kirschenmadonna bezeichnet.
Stein, Höhe 146 cm, Durchmesser 44 cm.

Die Steinplastiken an der Wappenwand der Georgskirche wurden von Garzarolli mit der Künstlerpersönlichkeit Jakob Kaschauers in Verbindung gebracht. Der Umstand, daß Friedrich III. 1447 von Kaschauer ein Haus kaufte (Jb. der kunsthist. Sammlungen des allerh. Kaiserhauses, XVII, Rg. 15.225 v.
27.9.1447) scheint auf eine Verbindung mit dem Plastiker hinzuweisen. Stilistische Merkmale aber sprechen dagegen (Ausdruck, Gestaltung und Draperie). Das Thema der "Schönen Madonnen" ist nach Zykan steif, höfisch und rustikal abgewandelt. Der Hinweis Garzarollis, daß die Madonna von dem gleichen Künstler stammt, der auch die Grabplatte der Beatrix Lopi schuf, wirkt sehr überzeugend; er nahm hier eine Werkstattarbeit Kaschauers an.
Die Madonnenplastik gibt eine Vorstellung von der künstlerischen Art des Figurenschmuckes der Wappenwand, dem auch die große Statue "Friedrich als Herzog" zugehört. Die Madonna befand sich einst unter dem obersten Baldachin der Wappenwand. Die beiden ursprünglichen Assistenzfiguren sind nur durch Zeichnungen aus dem frühen 19. Jahrhundert überliefert, sie sind heute verschollen. Die Madonnenplastik wurde durch eine Kopie ersetzt und auf den linken Seitenaltar der Georgskirche gestellt. Den Namen Kirschenmadonna erhielt sie durch die Früchte im Körbchen des Christuskindes, die als Symbol des Paradiesgärtleins gedeutet werden können.




Literatur: Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Mittelalterliche Plastik in Steiermark (= Das Joanneum. Sonderband, Graz 1941), S. 107, Abb. 78.
Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Jakob Kaschauer und seiner Werkstatt Wappenwand der Georgskapelle in Wiener Neustadt. In: Belvedere XIII (1938/43), S. 148ff.
Josef ZYKAN, Die Plastik. In: Die Gotik in Niederösterreich. Kunst, Kultur und Geschichte eines Landes im Spätmittelalter. Hrsg. von der Stadtgemeinde Krems (Wien 1963), S. 135, Abb. 93.