Wiener Neustädter Altar im Dom von St. Stephan, Wien

Wiener Neustädter Altar im Dom von St. Stephan, Wien

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 234, S. 401.

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Leihgeber: Dom- und Metropolitankirche St. Stephan (Wien)
Wiener Neustädter Altar im Dom von St. Stephan, Wien

© Bundesdenkmalamt, Wien


Auf der Predella zweimal bezeichnet 1447 mit der Devise AEIOV.
Ein Flügel 370 x 137 cm, Schrein doppelt breit.
Für eine nähere Beschreibung des Altares siehe : Ikonographie des "Wiener Neustädter Altares"

Mit dem großen Altarwerk in der Stephanskirche hat man sich bis heute nicht eingehend befaßt. Pächt führt es an, Benesch spricht von einer monotonen Reihung der Heiligen und Märtyrer. Der Meister wäre nach seiner
Auffassung auf der Stilstufe der 20er Jahre stehengeblieben, wodurch sich "mühsame Kompromisse mit den Forderungen der Zeit nach Stofflichkeit" ergeben. Sehr richtig wird bemerkt, daß die konservative Auffassung des Kaisers dieser Gestaltung entsprochen hätte. Tietze bemühte sich um die Ikonographie und Beschreibung. Er versucht, diese Rückständigkeit aus einer alten Überlieferung zu erklären, die von einer Herkunft des Altares aus Viktring in Kärnten spricht. Oettinger hat vor allem das Oeuvre des Meisters mit Zuordnungen bereichert. Stange betont, daß der umfangreiche Werkstättenbetrieb die Art des Hauptmeisters, der von 1420 bis gegen 1450 tätig war, nur recht verschwommen erkennen läßt. Sicherlich kann man folgende Gruppierung vornehmen: Neben den Bildschnitzern, die hier nicht untersucht werden sollen, arbeitete der Hauptmeister an der Festtagsseite der Flügel und der Predella, also auf jenen Seiten, die den feierlichen Goldgrund tragen. Die Rückseite der Predella und die der anderen Flügel stammen von einem zweiten primitiveren Maler, der allerdings wohl an die Visierung des Hauptmeisters gebunden war. Er arbeitete, wie aus der Art der Gesichtsdarstellung, der Haarmodellierung und der schematischen Wiedergabe der Heiligenscheine und Kronen hervorgeht, am 1449 datierten Gnadenstuhlaltar von Aussee. (Siehe Gnadenstuhlaltar). Hier, auf sich gestellt, läßt er die weiche Modellierung und Beweglichkeit der Figuren vermissen. Das kleine Andreasaltärchen ist im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf den Schrein gesetzt worden. Es hat keine ursprüngliche Beziehung zum großen Altar, stammt allerdings aus dem Neukloster in Wiener Neustadt. Der große Flügelaltar kam 1884 vom Neukloster in die Wiener Stephanskirche.
In unserem Zusammenhang interessiert vorerst die Herkunft des Altares. Eine Freundschaft des Kaisers zu dem Abt von Viktring läßt Oettinger die Herkunft von Viktring möglich erscheinen. Vor allem führt man immer wieder das Dreifaltigkeitspatrozinium der Neuklosterkirche ins Treffen, dem dieser Altar nicht entsprechen soll. Fillitz, der an eine Auftragserteilung in Wien glaubt, schlägt eine ursprüngliche Bestellung für die Wiener Neustädter Liebfrauenkirche vor. Da die Stiftung des Klosters durch König Friedrich IV. zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit und der reinen Jungfrau Maria erfolgte, und beide Patrozinien dargestellt sind, die heilige Maria und die Krönung durch die Heilige Dreifaltigkeit, so besteht überhaupt kein Widerspruch mit der Stiftung für das Neukloster. Man vergleiche den Wappenstein über dem Klostereingang mit der gleichen figuralen Darstellung (1448). Interessant ist der Hinweis von Fillitz, daß hinter dem eigenartigen Altarwerk Kaiser Friedrich als Reliquiensammler und besonderer Verehrer der Heiligen stünde. Auch die kostbare Ausstattung mit zahlreichen Plastiken und dem leuchtenden Goldgrund, der hier weit mehr als bei anderen Altarwerken vorherrscht, läßt die Kunstauffassung des Mäzens erkennen. Die Gruppierung von je drei Heiligen in einem Feld findet sich auch am Reliquienschrein und an den Glasfenstern der Georgskirche. Die beiden ausgestellten äußersten Flügel lassen den Stil der zwei wichtigsten Meister gut unterscheiden. Der "böhmische Schmelz" (Stange) geht allmählich verloren, die Gebärden werden heftiger, die Figuren körperlos und die Gewänder unstofflich. Der Maler der Flügelaußenseiten vertritt einen lokalen, durch unmittelbaren Ausdruck geprägten Stil.
Zu sehen ein Detail des äußeren Flügels.


Alois Penall, Gerhard Bittner

Gehe zu: Ikonographie des "Wiener Neustädter Altares" ; Gnadenstuhlaltar


Literatur: Otto PÄCHT, Österreichische Tafelmalerei der Gotik (Augsburg u.a. 1929), S. 71.
Otto BENESCH, Der Meister des Krainburger Altares. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte VII (1930), S. 120.
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Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdomes in Wien. Bearbeitet von Hans Tietze. Mit Planaufnahmen von Michael Engelhart (= Österreichische Kunsttopographie 23, Wien 1931), S. 273ff.
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Karl OETTINGER, "Meister des Friedrichsaltares von 1447: In: Jahrbuch der preussischen Kunstsammlung 58 (1937), S. 227ff.
Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Die steirischen Malerschulen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. In: Das Joanneum 3 (1943), S. 217.
Otto DEMUS, Der Meister von Gerlamos. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF XII (1938), S. 103.
Der Stephansdom. Geschichte, Denkmäler, Wiederaufbau. Ausstellung veranstaltet von der Dom-und Metropolitankirche zu St. Stephan im Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien. Sept.-Nov. 1948. Hrsg. von Rudolf Bachleitner (Wien 1948), S. 63. Nr. 199, 200.
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Erich STROHMER, "Die Malerei der Gotik in Wien". In: Richard Kurt DONIN, Geschichte der bildenden Kunst in Wien, Bd. 2: Gotik (Wien 1955), S. 190.
Walther BUCHOWIECKI, Geschichte der Malerei in Wien. In: Geschichte der Stadt Wien, Neue Reihe VIII, S. 24.
Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. 11: Österreich und der ostdeutsche Siedlungsraum von Danzig bis Siebenbürgen in der Zeit von 1400 bis 1500 (München/Berlin 1961), S. 33f.