Wenzelsbibel (2. Band)

Wenzelsbibel (2. Band)

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 207, S. 389.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien), Handschriftensammlung, Codex Vindobonensis 2760
Wenzelsbibel (2. Band)

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


182 Blätter, Pergament, 530 x 365 mm. Mehr als 200 Miniaturen teils als Bilder in den Text eingefügt, teils in den reichen Randverzierungen.

Die Wenzelsbibel ist das bedeutendste Werk, das Friedrich aus dem Nachlaß der Luxemburger übernommen hat. Schon 1447 ließ er die umfangreiche Handschrift in drei Bände binden und an den Beginn des dritten Bandes zum Inhaltsverzeichnis seine fünf Vokale dazusetzen. Da diese Bände noch immer zu umfangreich waren, wurden sie im 17. Jahrhundert geteilt, so daß die Bibel jetzt sechs Bände umfaßt.
Die deutsche Übersetzung der Bibel, die im Auftrag König Wenzels in Prag geschrieben wurde, enthält nur den größten Teil des Alten Testamentes; das Neue Testament wurde nicht mehr niedergeschrieben. Auch der künstlerische Schmuck ist nicht fertiggestellt. Wo die Miniaturen an den freigelassenen Stellen des Textes fehlen, ist jedoch am Rande die Anweisung für den Maler gegeben, was er an dieser Stelle malen soll. Die Arbeit an der Bibel begann vor 1390. Es waren mehrere Meister daran beteiligt, die zusammen mehr als 600 Miniaturen schufen. Während die Bilder im Text Szenen aus der Bibel darstellen, erscheint im reichen Rankenwerk der Ränder häufig König Wenzel selbst, einige Male auf dem Königsthron, öfter aber als Gefangener in einem Block, vielfach von Bademädchen bedient. An mehreren Stellen sind die Wappen des deutschen Königs und des Königs von Böhmen angebracht. An Pracht der Ausstattung übertrifft die Wenzelsbibel alle anderen Bibelhandschriften - in ihrer Dekoration mit profanen Motiven ist sie wohl ein Spiegelbild des höfisch-frivolen Lebens am Hof Wenzels, den die Kurfürsten im Jahre 1400 als deutschen König absetzten, während er als König von Böhmen noch bis zu seinem Tod (1419) weiterregierte.




Literatur: Julius von SCHLOSSER, Die Bilderhandschriften König Wenzels I. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen 14 (1893), S. 214ff.
Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, Bd. 2: Die Zeit von 1350 bis 1400 (München u.a. 1936), S. 44ff.
Kurt HOLTER, Karl OETTINGER, Les principaux manuscrits à peintures de la Bibliothèque National de Vienne. In: Bulletin de la Société Française de reproductions de manuscrits à peintures 21 (1938), S. 78ff.
Europäische Kunst um 1400. 8. Ausstellung unter den Auspizien des Europarates. Kunsthistorisches Museum Wien, 7. Mai 1962 bis 31. Juli 1962. Katalog (Wien 1962), Nr. 170.
Ambraser Kunst- und Wunderkammer. Die Bibliothek. Katalog der Ausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek vom 28. 5. - 30. 9. 1965. Zusammengestellt von Franz Unterkircher (= Biblos-Schriften 41, Wien 1965), Nr. 92-95.
Alphons LHOTSKY, Die Bibliothek Kaiser Friedrichs III. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 58 (1950), Nr. 18.