Deckplatte vom Hochgrab Kaiser Friedrichs III.

Deckplatte vom Hochgrab Kaiser Friedrichs III.

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 204, S. 386.

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Leihgeber: Dom- und Metropolitankirche St. Stephan (Wien)
Deckplatte vom Hochgrab Kaiser Friedrichs III.

© Österreichische Nationalbibliothek, Wien


Niklas Gerhaert, 1467-1473.
Weißgeäderter, roter Salzburger Mamor.
Äußerer Rand: 301 x 165 cm.
Innerer Rand: 263 x 129 cm.
Tiefste Relieftiefe: 40 cm.
Gipsabguß.

Inschrift an der südlichen, östlichen und nördlichen Plattenschräge: Fridericus tercius Romanorum imperator semper augustus Austrie Stirie Karinthie et Carniole dux dominus marchie Sclavonice ac Portus Naonis comes in Habspurg Tirolis Pherretis et in Kiburg marchio Burgovie et lantgravius Alsacie obit anno domini MCCCC.
Kaiser Friedrich III. im Kaiserornat, das Haupt von der Kaiserkrone bedeckt, auf einem Polster ruhend, den Reichsapfel in der Rechten und das Szepter in der Linken. Die Figur ist 212 cm lang.
Oberhalb der Figur ein Baldachin mit einem Relief des den Fluß durchschreitenden Christophorus. Oben an den beiden seitlichen Rändern des Reliefs links Heiliger mit Wedel, rechts Heiliger mit Buch. Links vom Relief Bartholomäus mit Buch und Wurstmesser, rechts Matthias mit Buch und Beil.
Rechts vom Kaiser von oben nach unten: Wappen des Georgsritterordens, darüber Königskrone. Tafel mit Monogramm von einem Vogel im Schnabel gehalten. Reichswappen mit dem Doppeladler, darüber die Kaiserkrone. Österreichischer Bindenschild von einem behelmten Löwen gehalten, der in der rechten Pranke ein Schwert hält.
Zu Füßen des Kaisers: Das Habsburgische Wappen mit dem Löwen, rechts und links davon Ranken und je vier Tiere.
Links vom Kaiser von oben nach unten: Das lombardische Wappen, darüber die Königskrone, der Fünfadlerschild von Niederösterreich, darüber der österreichische Erzherzogshut und ein gekrönter Adler, der im Schnabel ein Schriftband mit AEIOV hält. Das Wappen von Steiermark, ein feuersprühender Panther, gehalten von einem gekrönten Löwen, auf dem Zimier seiner Krone noch einmal der Panther.
Kaiser Friedrich richtete 1463 sein erstes Schreiben an die Stadt Straßburg, in dem er sie ersucht, ihm den Pildhawer Niclas zu überlassen, damit er sich in ettlichen unseren notdurfften zu uns an unseren keyserlichen howe zufuege. Am 5. Juni 1467 wiederholt Friedrich die Bitte mit Nachdruck und betont, er habe bei Niklas Grabsteine bestellt. Da in einem an den Bischof von Passau gerichteten Empfehlungsschreiben Friedrichs vom 2. Juni 1469 für maister Niclasen pildhawer von Strasburg jener bereits aufgefordert wird, er
möge dem Künstler von dem dem Kaiser schuldigen Kanzleigeld 200 Gulden auszahlen für die Arbeit, die Niklas bereits tat und noch weiter tun soll, ist anzunehmen, daß der Meister inzwischen am Werk war. Im Jahre 1473 starb Niklas, somit muß die Grabplatte zwischen 1467/68 und 1473 entstanden sein, und den ungefähr 55jährigen Monarchen darstellen.
Trotz der Aufsicht des Auftraggebers scheint der Künstler den Kaiser nur in loser Anknüpfung an die Wirklichkeit porträtiert zu haben. Ausdruck und Komposition sind vielmehr auf eine bewußte Würde abgestimmt, der Idee der Manifestation weltlicher Macht wurden individuelle Einzelzüge untergeordnet.
Das Antlitz Friedrichs ist großflächig gehalten, der Mund ist weich und müde, die beiderseitige Gleichmäßigkeit der schrägfallenden Locken betont die ruhige Würde.


Hanna Dornik


Literatur: Marquard HERGOTT, Monumenta Augustae domus Austriacae. In quinque tomos divisa. Tom. IV/1: Taphographia principum Austriae, in qua marchionum, ducum, archiducumque austriae, utriusque sexus, monumento funerea, omnis, generis, pleraque typis aeneis expressa, proferuntur. Restituit, novis accessionibus auxit, et ad haec usque tempora deduxit Martinus Gerbertus. Bd. 2 (San Blasius 1772), Tab. XXIII-XXVIII.
Franz OTTMANN, Das Grabmal Kaiser Friedrichs III. In: Mitteilungen der Kaiserlich Königlichen Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale IV (1905), S. 76-96.
Friedrich BACK, Ein nicht beachtetes Werk des Niklas Gerhaert. In: Münchener Jahrbuch der bildenden Kunst 8 (1913), S. 200.
Wilhelm VÖGE, Über Nicolaus Gerhaert und Nicolaus von Hagenau. In: Zeitschrift für bildende Kunst NF 24 (1913), S. 97ff.
Friedrich WIMMER, Ernst KLEBEL, Das Grabmal Friedrichs des Dritten im Wiener Stephansdom (= Österreichs Kunstdenkmäler 1, Wien 1924).
Friedrich WIMMER, Nikolaus Gerhaert und einige Figuren am Wiener Stephansdom. In: Belvedere VII (1925), S. 106ff.
Otto WERTHEIMER, Nicolaus Gerhaert, seine Kunst und seine Wirkung (= Jahresgabe des deutschen Vereines für Kunstwissenschaft, Berlin 1929), S. 48ff.
Georg DEHIO, Geschichte der deutschen Kunst, 2. Bd (Berlin/Leipzig 1930), S. 222ff.
Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdomes in Wien. Bearbeitet von Hans Tietze. Mit Planaufnahmen von Michael Engelhart (= Österreichische Kunsttopographie 23, Wien 1931), S. 449.
Gerhard KIEßLING, Deutsche Kaiserbildnisse des Mittelalters. Ein Beitrag zur Geschichte des mittelalterlichen Kaisertums und zur Entwicklung der Porträtkunst (Leipzig 1937), S. 49.
Karl GARZAROLLI-THURNLACKH, Zur Nachwirkung Nikolaus Gerhaerts in der Ostmark. In: Pantheon 28 (1941), H. 2, S. 208ff.
Percy Ernst SCHRAMM, Herrschaftszeichen und Staatssymbolik. Beiträge zu ihrer Geschichte vom 3. bis zum 16. Jahrhundert (= Schriften der Monumenta Germaniae Historica XIII, 3 Bde., Stuttgart 1954-1956), S. 91.
Hanna EGER, Ikonographie Kaiser Friedrichs III. (Phil. Diss. Wien 1965), S. 79ff.
Alois KIESLINGER, Das Grabmal Kaiser Friedrichs. In: Ausstellungskatalog Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt. 28. Mai-30. Oktober 1966. Veranstaltet vom Bundesland Niederösterreich (= Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums NF 29, Wien 1966), S. 192ff.