© Alfred Marko, Graz
Farbdiapositiv.
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Sogenannte Kobelform.
Länge: 286 cm, Höhe: 124 cm, Breite: unten 118 cm. Mitte: 168 cm, oben 132 cm, Breite der Einstiegöffnung: 90 cm.
Gewölbe aus 18 cm breiten Holzreifen, welche durch einen unteren Rahmen und fünf Längsholme zusammengehalten werden; zwischen je vier Reifen bleibt seitlich eine drei Reifen breite Öffnung. Zwei Löcher im Rahmen unter ihr und je eines an den Rahmenschmalseiten müssen zur Befestigung auf dem Wagenkasten oder Plateau gedient haben. Die Längsholme sind geschnitzt und vergoldet, die Reifen außen und innen an den Schauseiten mit in den Kreidegrund geritzten Akanthusstabranken, bzw. Damastmustern geschmückt. Die Schmalseiten haben reiche Schnitzereien vorgeblendet, welche in drei Kielbogen mit Kreuzblumen und dazwischen in Fialen enden. Die Mittelfelder enthalten das von zwei Engeln gehaltene Wappen des kaiserlichen Doppeladlers mit Schriftband AEIOU mit der Schlinge und Krone darüber. Seitlich links das portugiesische Wappen, rechts der Bindenschild bzw. das Wappen von Österreich unter der Enns, alle vier von wilden Männern gehalten.
An den Reifen innen folgende Wappen: Krain, Kärnten, Österreich u. d. Enns, einköpf. Adler, Doppeladler, Portugal, Bindenschild, Steiermark, Windische Mark, Habsburg, Tirol, Doppeladler, einköpf. Adler, Elsaß, Portenau, Österreich ob d. Enns.
Die Zierknäufe an den Holmenden fehlen. Vorderseite stark, Rückseite weniger beschädigt. Figuren und Wappen bunt bemalt. Die Grundierung meist auf Leinen.
Der Wagen ist der bisher einzig erhaltene dieser Zeit. Die Wappen lassen in dem Stück den Hochzeitswagen der Prinzessin Eleonore von Portugal, der Gemahlin Friedrichs vermuten, zumindest aber einen Prunkkobel, der für die Einzüge in den Städten auf der Rückreise auf das Wagengestell aufgesetzt wurde. Er entspricht in seiner, wenn auch etwas breiten und stark gewölbten Form den Darstellungen der Frauenwagen in den Miniaturen der mittelalterlichen Handschriften, aber auch den gering ausgestatteten Troßwagen in den Holzschnitten des " Weißkunig", wie sie ja als bäuerliche Transportwagen bis fast in die Gegenwart reichen und mit Plachen gedeckt werden. Er war noch starr mit dem Gestell verbunden, während der nächst-jüngere Wagen des Kurfürsten Joh. Friedrich des Großmütigen von Sachsen und seiner Braut Sibylle von Cleve vom Jahre 1527 auf der Veste Coburg bereits mit Eisengriffen für die Aufhängung in Lederschlaufen ausgestattet ist.
Die zeitgenössischen Berichte der Festlichkeiten zu Hochzeit und Krönung im Jahre 1452 in Italien nennen den Wagen leider nicht.
Nähere Angaben, sowohl über die Einordnung in die technische Entwicklung mit Sammlung der vergleichbaren Abbildungen, als auch über die Geschichte des Wagens muß von der in Vorbereitung befindlichen Bearbeitung in Graz noch erwartet werden.
Das Stück dürfte, als Eleonore bei der Rückkehr aus Italien wegen der feindlichen Haltung der österreichischen Stände in Graz bleiben mußte, dort verblieben sein. Es befand sich in einer Zeughütte am Lend, wie aus einem Bericht im Steiermärkischen Landesarchiv (VIII. A 725, Register 1851) hervorgeht, und kam 1851 von da in das ständische Zeughaus. Im Jahr 1895 wurde er im neueröffneten Kulturhistorischem Museum aufgestellt.
Gertrud Smola
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