Oberteil eines Prunkwagens

Oberteil eines Prunkwagens

In: Ausstellung Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt. Katalog der Ausstellung in St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, vom 28. Mai bis 30. Oktober 1966. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Schriftleitung Peter Weninger. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 29. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturreferat 1966. 436. 8°. Objekt-Nr.: 153, S. 357.

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Leihgeber: Museum für Kulturgeschichte und Kunstgewerbe (Graz, Steiermark), 248
Oberteil eines Prunkwagens

© Alfred Marko, Graz


Farbdiapositiv.

Sogenannte Kobelform.
Länge: 286 cm, Höhe: 124 cm, Breite: unten 118 cm. Mitte: 168 cm, oben 132 cm, Breite der Einstiegöffnung: 90 cm.
Gewölbe aus 18 cm breiten Holzreifen, welche durch einen unteren Rahmen und fünf Längsholme zusammengehalten werden; zwischen je vier Reifen bleibt seitlich eine drei Reifen breite Öffnung. Zwei Löcher im Rahmen unter ihr und je eines an den Rahmenschmalseiten müssen zur Befestigung auf dem Wagenkasten oder Plateau gedient haben. Die Längsholme sind geschnitzt und vergoldet, die Reifen außen und innen an den Schauseiten mit in den Kreidegrund geritzten Akanthusstabranken, bzw. Damastmustern geschmückt. Die Schmalseiten haben reiche Schnitzereien vorgeblendet, welche in drei Kielbogen mit Kreuzblumen und dazwischen in Fialen enden. Die Mittelfelder enthalten das von zwei Engeln gehaltene Wappen des kaiserlichen Doppeladlers mit Schriftband AEIOU mit der Schlinge und Krone darüber. Seitlich links das portugiesische Wappen, rechts der Bindenschild bzw. das Wappen von Österreich unter der Enns, alle vier von wilden Männern gehalten.
An den Reifen innen folgende Wappen: Krain, Kärnten, Österreich u. d. Enns, einköpf. Adler, Doppeladler, Portugal, Bindenschild, Steiermark, Windische Mark, Habsburg, Tirol, Doppeladler, einköpf. Adler, Elsaß, Portenau, Österreich ob d. Enns.
Die Zierknäufe an den Holmenden fehlen. Vorderseite stark, Rückseite weniger beschädigt. Figuren und Wappen bunt bemalt. Die Grundierung meist auf Leinen.
Der Wagen ist der bisher einzig erhaltene dieser Zeit. Die Wappen lassen in dem Stück den Hochzeitswagen der Prinzessin Eleonore von Portugal, der Gemahlin Friedrichs vermuten, zumindest aber einen Prunkkobel, der für die Einzüge in den Städten auf der Rückreise auf das Wagengestell aufgesetzt wurde. Er entspricht in seiner, wenn auch etwas breiten und stark gewölbten Form den Darstellungen der Frauenwagen in den Miniaturen der mittelalterlichen Handschriften, aber auch den gering ausgestatteten Troßwagen in den Holzschnitten des " Weißkunig", wie sie ja als bäuerliche Transportwagen bis fast in die Gegenwart reichen und mit Plachen gedeckt werden. Er war noch starr mit dem Gestell verbunden, während der nächst-jüngere Wagen des Kurfürsten Joh. Friedrich des Großmütigen von Sachsen und seiner Braut Sibylle von Cleve vom Jahre 1527 auf der Veste Coburg bereits mit Eisengriffen für die Aufhängung in Lederschlaufen ausgestattet ist.
Die zeitgenössischen Berichte der Festlichkeiten zu Hochzeit und Krönung im Jahre 1452 in Italien nennen den Wagen leider nicht.
Nähere Angaben, sowohl über die Einordnung in die technische Entwicklung mit Sammlung der vergleichbaren Abbildungen, als auch über die Geschichte des Wagens muß von der in Vorbereitung befindlichen Bearbeitung in Graz noch erwartet werden.
Das Stück dürfte, als Eleonore bei der Rückkehr aus Italien wegen der feindlichen Haltung der österreichischen Stände in Graz bleiben mußte, dort verblieben sein. Es befand sich in einer Zeughütte am Lend, wie aus einem Bericht im Steiermärkischen Landesarchiv (VIII. A 725, Register 1851) hervorgeht, und kam 1851 von da in das ständische Zeughaus. Im Jahr 1895 wurde er im neueröffneten Kulturhistorischem Museum aufgestellt.


Gertrud Smola


Literatur: Mittheilungen des historischen Vereins für Steiermark III (1853), S. 9.
Katalog des steiermärkischen Landeszeughauses (Graz 1882), S. 43, und (Graz 1887), S. 38.
Albert ILG, Der Wagen Friedrichs IV. im Grazer Zeughaus. In: Mitteilungen der Centralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale NF 1 (Wien 1875), S. 49.
Fritz PICHLER, Der Wagen Kaiser Friedrich III. In: Mitteilungen der Centralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale XVIII (1873), S. 34.
Das Landes-Zeughaus in Graz. Hrsg. von der Vorstehung des Münzen- und Antiken-Cabinetes am St. L. Joanneum (Leipzig 1880), S. 90, und S. XXXVII.
Jahresbericht des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneums 39 (1851), S. 22.
Anton RATH, In: Das Steiermärkische Landesmuseum und seine Sammlungen. Zur 100jährigen Gründungsfeier des Joanneums. Hrsg. vom Kuratorium des Landesmuseums. Red. von Anton Mell. (Graz 1911), S. 319.
Heinrich KREISEL, Prunkwagen und Schlitten (Leipzig 1927), S. 15-19, Tafel 1B.
Erich V. STROHMER, Der Krönungswagen Kaiser Friedrichs III. In: Deutsche Kunst VII (1941), Tafel 122.
Alphons LHOTSKY, Die sogenannte Devise Kaiser Friedrichs III. und sein Notizbuch, Cod. Vind. Palt. n. 2674. In: Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF XIII (Wien 1944), S. 75.
Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Museum für Kulturgeschichte und Kunstgewerbe, kleiner Bildführer (Graz 1958), farb. Titelbild.
Peter KRENN, Zur Geschichte des Steiermärkischen Landeszeughauses in Graz. In: Festschrift 150 Jahre Joanneum, 1811-1961. Im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung aus Anlaß der 150-Jahr-Feier des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum und der Steiermärkischen Landesbibliothek. Redigiert von Berthold Sutter. (Graz 1969), S. 141-171.