Teile eines Altares aus St. Stephan

Teile eines Altares aus St. Stephan

In: Die Zeit der frühen Habsburger. Dome und Klöster 1279-1379. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung in Wiener Neustadt vom 12. Mai bis 28. Oktober 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Redigiert von Floridus Röhrig und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 85. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1979. 512.8°. Illustr., Karten, Stammtafeln. Objekt-Nr.: 233b, S. 436.

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Leihgeber: Erzbischöfliches Dom- u. Diözesanmuseum (Wien), 2
Teile eines Altares aus St. Stephan

© Bundesdenkmalamt, Wien


Um 1335.
Fragment einer Kreuzabnahme.
Eichenholz, alte Fassung. Höhe 85 cm.

Urkundlich überliefert ist uns für das Jahr 1334 die Stiftung eines "Gottesleichnamsaltares" für den Chor von St. Stephan durch den Pfarrer Heinrich aus Luzern. Ob die erhaltenen Teile eines Altares mit dieser Stiftung zu verbinden sind, ist unsicher, doch läßt der stilistische Befund einen Zusammenhang mit der Person des Pfarrers Heinrich, der vor seiner Tätigkeit in St. Stephan ein Kanonikat in Konstanz innehatte, möglich erscheinen. Die plastische Konzeption der Figuren (gekennzeichnet durch die einfache Gewandung, die von parallel oder strahlig angeordneten Falten durchzogen wird) und ihre relativ stereometrischen Köpfe weisen auf den Oberrhein hin. Dort finden wir ähnlich säulenhaft in sich ruhende Figuren, etwa die Statue des Vincentius oder die sicher aus einem szenischen Zusammenhang, also wohl einem Altar, stammenden kleinen Holzfiguren aus Kazis (alle im Schweizer Landesmuseum, Zürich, Vgl. FUTTERER). Eine befriedigende Rekonstruktion des Wiener Schnitzaltares aus den erhaltenen Teilen ist noch nicht gelungen. Vermutlich enthielt er sowohl einen Reliefzyklus, der die Leidensgeschichte Christi erzählte, als auch Einzelstatuen von Heiligen, die unter Arkaden aufgereiht waren; Retabel des frühen 14. Jahrhunderts mit einem analogen Aufbau finden sich vereinzelt im Rheinland und in Norddeutschland. Von dem Wiener Altar sind, außer diesen zwei gezeigten Gruppen, noch folgende Stücke erhalten: ein stehender Bischof, ein Diakon, ein bärtiger sitzender Evangelist, ein heiliger Georg als Drachentöter und ein Fragment aus einer Darstellung des Einzugs Christi in Jerusalem. Denkbar ist, daß einige dieser Stücke auch von anderen, nahezu gleichzeitigen Altären der Stephanskirche stammen. So ist ein Apostelaltar schon für 1336 belegt und 1340 wurde der Hochaltar geweiht.


Gabriela Fritzsche

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Literatur: Geschichte und Beschreibung des St. Stephansdomes in Wien. Bearbeitet von Hans Tietze. Mit Planaufnahmen von Michael Engelhart (= Österreichische Kunsttopographie 23, Wien 1931), S. 517f., Abb. 647-651.
Franz KIESLINGER, Der ursprüngliche Hochaltar des Stephansdomes in Wien. In: Kirchenkunst 9 (1937), S. 96ff.
Gotik in Österreich. Ausstellung, veranstaltet von der Stadt Krems an der Donau. 19. Mai bis 15. Oktober 1967, Minoritenkirche Krems-Stein, Niederösterreich. Unter der Schriftleitung von Harry Kühnel. Hrsg. Stadt Krems an der Donau (Krems an der Donau 1967), Nr. 151.
R. HERZOG, Der Fronleichnamsaltar von St. Stephan. maschinschr. Seminararbeit am Kunsthistorischen Institut (Wien 1968).
Karl GINHART, Die gotische Bildnerei in Wien. In: Geschichte der bildenden Kunst in Wien. Plastik in Wien. Hrsg. vom Verein für Geschichte der Stadt Wien (= Geschichte der Stadt Wien. Neue Reihe 7, 1, Wien 1970), S. 15.
Katalog des Erzbischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Wien (Wien 1973), Nr. 59.
Wien im Mittelalter. Ausstellung vom 18. Dezember 1975 bis zum 18. April 1976. Katalog (= Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, Wien 1976), Nr. 198.
Ilse FUTTERER, Gotische Bildwerke der deutschen Schweiz 1220 - 1440 (Augsburg 1930), Abb. 138 u. 129-137.