© Inge Kitlitschka, Klosterneuburg
Wien, 1337.
Vergoldetes Silber; transluzides Email; Perlen und Edelsteine. 20 cm hoch.
|
Am Rand des Fußes die Inschrift: ANNO . D(OMI)NI . MCCCXXXVII . HIC . CALIX . B(EA)TE MARIE VIRG(IN)I(S) . C(OM)P(ER)AT(US) . EST . ET . INCHOAT(US) . EX . ANTIQUA . CRVCE . PO(N)DE(RE) . HABENTE . IX MA(RCA) . VI . LOT . QUA(M) . PABO . Q(UO)NDAM . P(RAE)P(OSI)T(U)S . C(OM)PERAVIT. Die drei Emailfelder des Fußes zeigen die Kreuztragung Christi, seine Kreuzigung und seine Auferstehung. In den Vierpässen des Knaufes die Monogramme Mariä und Christi. Drei der Paßfelder des Fußes, Schaft und Knauf sind reich mit Edelsteinen in Pyramidenstumpf-Fassungen besetzt. Der Inschrift zufolge wurde für die Anfertigung des Kelches das Material eines Kreuzes verwendet, das von Propst Pabo (regierte 1279 bis 1292) stammte. Die davon gewonnene Silbermenge (9 Mark und 6 Lot) ist in der Inschrift ebenfalls festgehalten.
Die Tatsache der Verwendung eines Kreuzes aus dem Besitz des Stiftes zur Anfertigung eines neuen liturgischen Gerätes läßt auf eine Anfertigung im Bereich Wien bzw. in Klosterneuburg selbst schließen. Einen zweiten Kelch mit vergleichbaren Stilmerkmalen, möglicherweise aus derselben Werkstatt, schenkte Herzog Otto der Fröhliche zusammen mit einem Altarkreuz der von ihm 1327 gegründeten Abtei Neuberg im Mürztal (die beiden nicht erhaltenen Stücke sind in Marquard Herrgott, Monumenta Aug. Domini Austriacae, Bd. III, Tafel VI abgebildet). Ein dritter Kelch, sicherlich aus derselben Werkstätte wie der in Klosterneuburg, früher in Sesswegen (Livland), heute in der Kirche von Östa Ryd (Schweden), datiert 1345. Wieso dieser Kelch nach Schweden kam, ist nicht geklärt. Naheliegend wäre es, an ein Stück der Schwedenbeute im Dreißigjährigen Krieg zu denken.
Neben den sechs Platten, die bei der Neumontierung des Emailwerkes des Nicolaus von Verdun zu einem Flügelaltar 1329 als Ergänzung neu geschaffen wurde, und der Patene des Propstes Stephan von Sierndorf ("Patene") ist die Gruppe der drei Kelche das wichtigste Zeugnis für die frühe Wiener Goldschmiedekunst. Woher sie ihre Anregungen erhielt, läßt sich noch nicht sicher sagen, doch kommt dem Westen, Frankreich bzw. Oberrhein, bestimmt eine wichtige Rolle zu.
Hermann Filitz
Gehe zu: Patene
|