© Inge Kitlitschka, Klosterneuburg
Klosterneuburg oder Wien, um 1320/1330.
Silber, vergoldet und zum Teil nielliert. 18 cm Durchmesser.
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Der offenbar zu der Patene gehörende Kelch - er wird in einem Inventar des Propstes Georg Hausmanstetter 1520 genannt - ist verloren. Auf der Oberseite zeigt die Patene in der sechspässigen Vertiefung den thronenden Christus, der den vor ihm knienden Propst von Klosterneuburg Stephan von Sierndorf (regierte 1317-1335) segnet. Umschrift um die Darstellung: + ASPICE . PECCATOR . TVVS . HIC . RESIDET. MISERATOR (Siehe Sünder, hier thront dein Erbarmer); Umschrift des Patenenrandes: STEPHAN(VS) . VT . DETVR . REQVIEI . QVISQ(VE) . PRECET(VR) + CELESTIS . CENA . CV(M) . SVMITVR . ISTA . PATENA + ( = Jeder, der von dieser Patene die Himmelsspeise nimmt, möge beten, daß Stephanus die ewige Ruhe erlange). Auf der Unterseite ist in versenktem Relief die Krönung Mariä dargestellt, und zwar so, daß Christus der Madonna die Krone aufsetzt und ein übergroßes Zepter übergibt. Umschrift am Patenenrand: VIRGO . DEI . NATA . CORONARIS . ET . INVIOLATA . PERMANES . ET . PARIS . MISEROS . PRECIBVS . TUEARIS + ( = Jungfrau, unversehrt bleibende Gottesgebärerin, die Du gekrönt wirst, bewahre auch die Erbarmungswürdigen, die zu Dir beten, in Deinem Schutz). Die figürlichen Darstellungen (vor allem die Krönung Mariä) und die Ornamente weisen enge Zusammenhänge mit Konstanzer Arbeiten auf; anderseits ist kaum anzunehmen, daß der Propst die Emailplatten, die zur Ergänzung des Emailwerkes des Nicolaus von Verdun bei der Umgestaltung von der Lettner - Verkleidung zu einem Flügelaltar notwendig waren - und dabei dreht es sich nicht nur um die sechs Platten zur Ergänzung des typologischen Zyklus, sondern auch um alle ornamentalen und Inschriftleisten - am
Oberrhein ausführen ließ. Praktisch kann man sich die Durchführung dieser genau auszumessenden Arbeiten nur an dem Ort - oder in seiner Nähe - vorstellen, wo das ganze Emailwerk verwahrt war. Man muß daher eher annehmen, daß oberrheinische Goldschmiede dazu nach Klosterneuburg (oder Wien) berufen wurden, wo ja auch zur gleichen Zeit die Tafelbilder der Außenseiten des Altares gemalt wurden. Damit kommt aber diesen Werken - der Patene des Propstes und den Ergänzungsplatten zu dem Emailwerk des Nicolaus von Verdun - für die Frage der Frühphase der Wiener Goldschmiedekunst und ihre Zusammenhänge mit dem Oberrhein entscheidende Bedeutung zu. Während man früher ausgehend von diesen Werken und dem Ciborium (siehe "Ciborium") im Stift Klosterneuburg eine große Wiener Gruppe konstruierte, die faktisch die oberrheinischen Werkstätten mit einbezog, stellt die sicherlich den historischen Tatsachen entsprechende Verlagerung dieser Gruppe von Goldschmiedearbeiten an den Oberrhein die noch nicht beantwortete Frage nach der Rolle Wiens, wo anscheinend doch so bedeutende Arbeiten von der Patene des Propstes Stephan und den Ergänzungsplatten für den Emailaltar bis zu dem von Herzog Rudolf IV. gestifteten Melker Kreuz entstanden sind, die alle sicherlich intensive Beziehungen zur gleichzeitigen oberrheinischen Goldschmiedekunst voraussetzen.
Hermann Filitz
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