Graduale aus St. Katharinental

Graduale aus St. Katharinental

In: Die Zeit der frühen Habsburger. Dome und Klöster 1279-1379. Katalog der Niederösterreichischen Landesausstellung in Wiener Neustadt vom 12. Mai bis 28. Oktober 1979. Herausgegeben vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. Redigiert von Floridus Röhrig und Gottfried Stangler. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N.F. 85. – Wien: Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Kulturabteilung 1979. 512.8°. Illustr., Karten, Stammtafeln. Objekt-Nr.: 218a, S. 425.

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Leihgeber: Schweizerisches Landesmuseum Zürich (Schweiz)
Graduale aus St. Katharinental

© Kunsthistorisches Institut der Universität Wien


Hochrhein (Konstanz ?), 1312.
Pergament, 314 Blätter, 480 x 345 mm.

Eine Eintragung von 1312 auf dem Vorderdeckel bezieht sich zwar nicht auf die Herstellung der Handschrift, gibt aber doch einen Anhaltspunkt: Spätestens in diesem Jahr muß das Graduale geschrieben gewesen sein; die rund siebzig mit Deckfarben auf Goldgrund gemalten Bildinitialen sind vielleicht erst in den unmittelbar folgenden Jahren entstanden.
Stilistisch schließen diese Miniaturen an die St. Gallener Weltchronik an, stehen aber schon auf einer etwas jüngeren Entwicklungsstufe, wie sie etwa von den Glasmalereien in Kappel am Albis und Heiligkreuztal vertreten wird. Gegenüber der Weltchronik wirken die Figuren zarter und schlanker, behalten aber die dort vorgebildeten Gesichtstypen und Faltenformeln sowie den feierlichen Rhythmus der Kompositionen bei. Als neuer Zug ist die oft kindliche Wirkung der Gestalten, ihre naive Art zu agieren, hinzugekommen. Darin und in vielen ikonographischen Besonderheiten äußert sich die spezifische Gestimmtheit der oberrheinischen Mystik, die ja gerade in den Konventen der Dominikanerinnen - und nicht zuletzt in Katharinental - heimisch war.
a) Faksimileblatt: Folio 190v. In der Initiale M ist links das Gastmahl des Herodes, rechts die Enthauptung Johannes' des Täufers dargestellt. In der abstoßenden Physiognomie des Henkers und in seiner ärmlichen Gewandung wird ein gleichsam naives Streben nach Wirklichkeitsnähe spürbar, während auf der anderen Seite Herodes und Herodias - höchst unrealistisch - als jugendlich-liebliches Paar gegeben sind. Darunter Initiale G mit der Darstellung der Geburt (eigentlich des ersten Bades) Mariae.


Gerhard Schmidt


Literatur: Lukas WÜTHRICH, In: Bericht der Gottfried-Keller-Stiftung 1969-1972, S. 14-24.