"Wildensteiner-Pokal"

"Wildensteiner-Pokal"

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: XI 45, S. 318.

Zum Anfang   Zurück   Vorwärts   Zum Ende

Fenster schließen



© Schlaraffia Nestodia


Anfang 19. Jahrhundert.
Höhe: 45 cm.

Die gesellschaftliche Erscheinung der Entstehung von Ritterbünden auf bürgerlichem Boden in der Neuzeit wurzelt wohl in differenzierten Bereichen. Neben dem Ausdruck eines historisch orientierten Konservativismus, der Suche nach dem romantischen Freundesideal und einer gewissen Sehnsucht nach Mystifikation, mag das Streben des Bürgers nach dem Adel eine der Hauptursachen für die Gründung dieser Ritterbünde gewesen sein. Wohlhabende Bürgerliche, denen der Aufstieg in den Verdienstadel nicht gelingen wollte, konnten auf diese Weise wenigstens ihren Mußestunden einen adeligen Anstrich verleihen, und zudem erfüllte die Tafelgesellschaft im Ritterbund das Bedürfnis nach elitärer Abgrenzung weit mehr als der Bierstammtisch im öffentlichen Wirtshaus. Tatsächlich scheinen die Ritterbünde, wie sonstige Elitevereine und Halbgeheimbünde, einen der wenigen Bereiche darzustellen, in denen sich die Grenzen zwischen Adel und Bürgertum verwischen ließen. Der Pöttschinger Landwirtssohn Anton Steiger (1755-1832) konnte jedenfalls, durch Kohlenfunde vermögend geworden, sogar Mitglieder des Hochadels zu dem 1792 von ihm gegründeten "Ritterbund der Wildensteiner auf blauer Erde zu Seebenstein" zählen. Ob dieser Ritterbund nun ausschließlich dem Bedürfnis nach Romantik und der "gehobenen Geselligkeit" seiner Mitglieder genügte oder ob er vielmehr Auffangbecken der damals verbotenen Freimaurerei war, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Für letzteres spräche die Tatsache, daß die Wildensteiner Rittergesellschaft 1823 auf höchste Weisung hin aufgelöst wurde; allerdings gereichte im Metternichstaat ja der geringste Ruch von Geheimbündelei zum Verbot.
Aus der Hinterlassenschaft der "Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde" stammt ein in Bronze gefaßtes Glasgefäß, dessen Deckel von einer Ritterfigur gekrönt ist. Leihgabe Dr. Peter Hartmann, Kirchschlag, namens der "Schlaraffia Neostadia".


Jakob Michael Perschy