Epitaph des Ritters Veit von Fürst: Ritter und Knappen beim Turnier

Epitaph des Ritters Veit von Fürst: Ritter und Knappen beim Turnier

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 74, S. 254.

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Leihgeber: Dom- und Stadtpfarre St. Martin (Eisenstadt, Burgenland)
Epitaph des Ritters Veit von Fürst: Ritter und Knappen beim Turnier

© Burgenländisches Landesarchiv und Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt


1515. Zinn. 55 x 37,5 cm.
Detail.

Gravierte, zum Teil vergoldete und polychromierte Darstellung des Verstorbenen in voller Rüstung, kniend; links oben gemalte Darstellung der Muttergottes mit dem Jesuskind; rechts vom Ritter Turnierhelm, links Wappen mit Spangenhelm. Am oberen Rand gotische Minuskelschrift: "Am ersten Tag des mercen im MV15 ist gestorben der edel und / streng herr Feit von Fuerst hauptmann zu der Eisnstat ritter / und kaiserlicher maiestat ratt dem gott genetig sei."
Das Grabdenkmal in der vergleichsweise seltenen Form einer Zinnplatte wurde gewählt als Dokument für die Verbindung des Ritterstandes mit dem Klerus, die nicht nur in der Funktion des adeligen Grundherrn als Patronatsherr der Pfarre, als Stifter von Gütern und Gaben an die Pfarrkirchen, Klöster und andere geistliche Einrichtungen, sondern auch in der Rolle der Patronatskirche als Begräbnisstätte der Grundherrenfamilie zum Ausdruck kommt.
Veit von Fürst, Schwiegersohn des Grafen Heinrich von Hardegg, erhielt die Herrschaft Eisenstadt im Jahr 1509 um einen Pfandschilling von 13000 fl von Kaiser Maximilian I. zugesprochen. Der aus Schwaben stammende war Ehrendoktor der Universität Tübingen, Jurist, Mitglied des Ritterstandes in Österreich unter der Enns, Wiener Bürger und Kammerprokurator; der enge Vertrauensmann und Günstling des Kaisers tritt uns in unserem engeren Raum bereits 1504 als Pfleger der Herrschaft Scharfeneck und Inhaber der Herrschaft Hornstein-Seibersdorf entgegen. Wie sein im Epitaph angeführter Titel "Hauptmann zu Eisenstadt" beweist, betrachtete er die Pfandherrschaft als seinen wichtigsten Besitz, deshalb wählte er auch die Stadtpfarrkirche zur Begräbnisstätte.


Harald Prickler


Literatur: André CSATKAI, Dagobert FREY, Die Denkmale des politischen Bezirks Eisenstadt (= Österreichische Kunsttopographie XXII, Wien 1932), S. 32.
Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes. Bd. II: Der Verwaltungsbezirk Eisenstadt und die Freistädte Eisenstadt und Rust (Eisenstadt 1963), S. 72ff., S. 114ff.