Kelch

Kelch

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 70, S. 253.

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Leihgeber: Dom- und Stadtpfarre St. Martin (Eisenstadt, Burgenland)
Kelch

© Burgenländisches Landesarchiv und Burgenländisches Landesmuseum, Eisenstadt


Erste Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Silber, ganz vergoldet, Höhe: 23 cm.

Sechspassiger Fuß mit durchbrochenem Steg, oben abgeschlossen mit einer sechseckigen Platte, am Stiel zweimal das Wort ,Jesus" in gotischen Minuskeln auf Emailgrund. Breiter sechsteiliger Nodus mit sechs KreismedailIons, dreimal das Wappen der Familie Kanizsai (Adlerklaue) in champs levé-email, in den drei anderen Medaillons die Heiligen Dorothea, Barbara und Katharina (champs levé-email auf Goldgrund). Zwischen den Medaillons palmettenartige Blätter auf kanneliertem Grund. Ein Emailwappen ausgebrochen, das Email bei den Heiligenfiguren ebenfalls beschädigt. Keine Marke.
Der im Besitze der Stadtpfarre (heute Dompfarre) St. Martin-Eisenstadt befindliche Kelch war, wie das Familienwappen beweist, eine Votivgabe des Patronatsherrn an die Pfarre. Die Familie Kanizsai besaß die Herrschaft Hornstein, zu der auch der später Eisenstadt genannte Ort gehörte, seit 1364; sie erwirkte für den Ort das Mauerrecht und erhob ihn 1373 zur grundherrlichen Stadt. Die Errichtung eines Franziskanerklosters (um 1386) und der Ausbau der Stadtburg zu einer repräsentativen Anlage, in der König Sigismund 1392 einen Hoftag abhielt, beweisen, daß die vom alten Geschlecht Osl abstammende Familie, die unter dem Erzbischof von Gran und langjährigen Reichskanzler Johannes († 1418) den Höhepunkt ihres Einflusses gewann, Eisenstadt zum Zentrum ihres in Westungarn weitverstreuten großen Besitztums ausbauen wollte. In diese Richtung gehört auch die Schenkung des kostbaren Kelches an die auch mit Grundbesitz reich ausgestattete Stadtpfarrkirche.


Harald Prickler


Literatur: André CSATKAI, Dagobert FREY, Die Denkmale des politischen Bezirks Eisenstadt (= Österreichische Kunsttopographie XXII, Wien 1932), S. 28.
Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes. Bd. II: Der Verwaltungsbezirk Eisenstadt und die Freistädte Eisenstadt und Rust (Eisenstadt 1963), S. 95ff., S. 307ff.