Der Heilige Georg

Der Heilige Georg

In: Die Ritter. Katalog der Burgenländischen Landesausstellung 1990 auf der Burg Güssing vom 4. Mai bis 28. Oktober 1990. Redigiert von Harald Prickler. Burgenländische Forschungen. Sonderband. 8. – Eisenstadt: Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv - Landesbibliothek 1990. 338. 4° Objekt-Nr.: VI 68, S. 252.

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Leihgeber: Österreichische Nationalbibliothek (Wien)
Der Heilige Georg

© Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz


Meister des älteren Gebetbuchs Maximilians I., um 1515.
Rothschild-Gebetbuch, Blatt 225v.
Vergrößertes Photo.

Der Heilige, dessen geschichtliche Persönlichkeit sich im Schleier der Legende verbirgt und dessen Anerkennung kirchlich nicht unumstritten blieb, wurde seit dem frühen Mittelalter als Kriegsheld verehrt. Seit Richard Löwenherz (12. Jahrhundert) gilt er als Patron der Kreuzfahrer. Aus dem Orient wurde von den Kreuzfahrern die Geschichte vom Drachenkampf mitgebracht, die den Heiligen zur christlichen Leitfigur des Rittertums schlechthin stempelte. Unser Bild schildert den Drachenkampf: Im Hintergrund die Türme der Stadt des heidnischen Königs in Kleinasien, davor auf der Wiese die Königstochter, die dem vor der Stadt hausenden Drachen geopfert werden soll. Der Heilige sprengt in voller Rüstung auf gewappnetem Roß auf den Drachen zu und stößt ihm die Lanze in den Rachen; durch die Tötung bekehrt er den König und sein Land zum Christentum. Der Ritter trägt das Wappen des von Kaiser Maximilian I. stark geförderten St. Georgs-Ritterordens, dessen späte Gründung durch Friedrich III. (15. Jahrhundert) mit der Bedrohung des christlichen Abendlandes durch die Türken in Zusammenhang zu bringen ist.


Harald Prickler


Literatur: Franz UNTERKIRCHER, Das Rothschild-Gebetbuch. Die schönsten Miniaturen eines flämischen Stundenbuches (Graz 1984), S. 116.